Transmetropolitan - Hardcover-Neuausgabe

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Transmetropolitan - Hardcover-Neuausgabe


      Vielleicht sollte man doch mal auf die sehr schöne Neuausgabe dieser Vertigo-Serie hinweisen, von der gerade der 2. Band erschienen ist. Sie folgt in Anmutung der Garth-Ennis-Hellblazer- und der Preacher-Neuausgabe und ist einfach traumhaft schön geworden. Die Übersetzung wurde überarbeitet und alles in allem ist sie der bisherigen dt. Ausgabe überlegen. Von der Qualität der Reihe an sich gar nicht zu sprechen. Was Warren Ellis hier abgeliefert hat, ist und bleibt ein Meilenstein jüngerer US-Comicgeschichte. Wer sie noch nicht kennt, sollte unbedingt mal reinschnuppern.
      "He had this disease, called, um, Wisenheimers, I think. You know, where your brain cells run out into your pee."
    • Und auch der (gerade erschienene) zweite Band, ist mal wieder absolut großartig!



      „Warren Ellis schreibt unser Leben“, lautet ein Morrison-Zitat, welches auf der Rückseite des zweiten Bandes abgedruckt ist. „Vergessen sie Zeitungen, die lügen sie nur an. Transmetropolitan sagt ihnen, was wirklich abgeht.“
      Morrison hat Recht, denn gerade jetzt scheint die kaputte Zukunftsvision von Ellis, auf bizarre Weise, mit unserer Realität verknüpft zu sein:

      Morgen sind Wahlen und vor mir liegt mit „Der neue Abschaum“, eine Story, die sich ausschließlich mit dem Wahlkampf beschäftigt.
      Wenn man sich dort „auf eins verlassen kann, dann darauf, dass es schiefgeht“ meint Spider Jerusalem dazu.
      Der Prophet hat bereits im ersten Band seinen Berg verlassen, um sich gezwungenermaßen mit dem geballten, menschlichen Wahnsinn auseinanderzusetzen - Läuft dabei jedoch permanent Gefahr selbst völlig wahnsinnig zu werden.
      Sein „Rettungsanker“ ist gleichzeitig seine größte Waffe: Purer Hass! („Ich möchte so gerne jeden in diesem Raum hier umbringen, sogar die Kinder. Ganz besonders die Kinder.“)
      Wenn er jedoch durchdreht, hat er verloren - Und viel wichtiger: DIE haben gewonnen!
      Nur ein letaler Cocktail diverser Drogen, hält ihn dabei noch auf den Beinen - Doch die Drogen wirken langsam nicht mehr und der Wahlkampf wird zum Schlachtfeld, bei dem es auch zu Toten kommt.

      Angetrieben wird dieser Krieg hauptsächlich vom amtierenden Präsidenten alias „das Monster“ und seinem Gegenspieler, dem „Smiler“ - Beides seelisch degenerierte, machtbesessene Wichser, die nur darauf warten ihre Wähler „mit Springmessern zu ficken“ und kurz davor stehen zum zweiten Hitler zu werden.
      Das System muss eben erhalten bleiben, egal wie kaputt es ist: „Es ist mein Job, Dinge so zu lassen, wie sie sind. Alles bleibt beim Alten.“, lautet das Motto des Monsters.
      Das Grinsen seines Gegners ist hingegen schon längst zu einer grotesken, Dauer-Maske erstarrt - Dahinter befindet sich nur noch absolute Leere. „Wenn das Grinsen stirbt, ist er völlig allein.“

      Natürlich ist das alles nur Fiktion, Zukunftsmusik, reine Polit-Satire - Die Realität sieht jedoch nicht wesentlich besser aus.
      Also denkt daran: Morgen sind Wahlen und nur wir können das „Monster“ und den „Smiler“ noch aufhalten!
      Vergesst aber nicht, vorher noch euren Darm-Disruptor einzupacken :D . Euer Leben könnte davon abhängen.
      "I try to judge things from a position of ignorance." (Alan Moore)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Doctor Flamenco ()

    • X-treme Sammler X-D schrieb:

      Doctor Flamenco schrieb:


      Vergesst aber nicht, vorher noch euren Darm-Disruptor einzupacken :D .

      Du meinst falls man wie im ersten Band zufällig den Präsidenten auf WC trifft :kratz: :D .

      Zum Beispiel.
      Mit unserem Bundespräsidenten habe ich jedoch weniger Probleme, X-treme. Es gäbe aber unzählige Politiker, denen ich durchaus mal eine "Behandlung" mit dem Darm-Disruptor wünschen würde.
      (Braune) Scheiße mit Scheiße bekämpfen - MMn ist das nur konsequent.
      "I try to judge things from a position of ignorance." (Alan Moore)
    • Atlan schrieb:

      Nee, soviel Platz und Geld hab ich dann doch nicht. Bei aller Liebe.

      Hab da auch immer ein Problem mir Comics doppelt zu holen, mach ich bei Büchern oder Filmen ebenso wenig. Aber ab Band 3 wirds für mich dann eine kleine Spur kribbeliger. Da haben damals die Speed HC aufgehört und die Serie komplett als HC im Regal zu haben hätte was. :love:
      Aber, wie schon zuletzt beim Preacher, die Hefte reichen eigentlich zum lesen aus und dann bleibt mehr für neuere Sachen :whistling: .

      Bubi schrieb:

      @ JoeKerr: Jetzt mal Butter bei die Fische - das war doch wahrscheinlich mit Abstand Dein schlechtester Post im Forum, oder nicht?
      "If you can't dazzle them with brilliance, baffle them with bullshit." W.C.Fields
      Mein Wildstorm Leserun
    • Habe mir Band 2 zum Reinschnuppern geholt und kann mich auch auf die Gefahr hin, dafür jetzt Schläge zu kriegen, der allgemeinen Begeisterung nicht so ganz anschließen.
      Zeichnungen und Aufmachung des Bandes sind in der Tat top. Bei der Handlung sehe ich aber viele Schwächen. Die Zukunftsvisionen von Ellis setzten sich aus allzuvielen, bereits bekannten Versatzstücken zusammen. Da sehe ich nichts besonders originelles. Die Hauptfigur findet das meiste irgendwie Scheiße, nimmt jede Menge Drogen, ist Gewalttätig und bedient sich ausgiebigst einer Fäkalsprache. Das wird dann im Nachwort unter Outlaw zusammengefasst und soll wohl toll sein. Hätte ich vor 20 Jahren vielleicht auch so gesehen, heute würde ich so Figuren eher als bedauernswert einordnen.
      Entscheidend ist aber, dass die Motivation hinter dieser Fassade nicht recht deutlich wird. Das gilt auch für die meisten übrigen Protagonisten, deren Antrieb irgendwie nie wirklich geklärt wird. Die Politiker auf der Gegenseite sind im Ergebnis ebenfalls eher platt und leer dargestellt. Zwischentöne und Facetten sind nicht zu erkennen, irgendeine Wahrheit, wie Morrision im Nachwort behauptet, schon garnicht. Das wirkt mir dann im Ergebnis etwas zu einfach gestrickt. So bleiben am Ende einige nette Gags und Geschmacklosigkeiten. Für mich war das zu wenig um da am Ball zu bleiben.
    • Das Problem mit der "Motivation" erscheint mir auch ein wenig arg verschult, bzw. typisches Hollywood-Sprech zu sein. Wenn man versucht, Figuren "Motivation" zu geben, landet man allzu oft in seichten Hobby-Psychologie-Fahrwassern, und statt Einsicht stellt sich Gelächter ein. Doch Spiders Befindlichkeit ist eigentlich nicht das Thema von Transmet. Er ist nur unser Begleiter durch diese Stadt der Zukunft. Er hat eine bestimmte, (sicher oberflächlich) amüsante Attitüde, aber viel mehr als eine Chiffre ist er nicht. Soll er auch nicht sein. Denn Transmet ist keine Charakterstudie.
      "He had this disease, called, um, Wisenheimers, I think. You know, where your brain cells run out into your pee."
    • thepigeon schrieb:

      Die Zukunftsvisionen von Ellis setzten sich aus allzuvielen, bereits bekannten Versatzstücken zusammen. Da sehe ich nichts besonders originelles. (…) Die Hauptfigur findet das meiste irgendwie Scheiße, nimmt jede Menge Drogen, ist Gewalttätig und bedient sich ausgiebigst einer Fäkalsprache. Das wird dann im Nachwort unter Outlaw zusammengefasst und soll wohl toll sein. Hätte ich vor 20 Jahren vielleicht auch so gesehen, heute würde ich so Figuren eher als bedauernswert einordnen.
      Entscheidend ist aber, dass die Motivation hinter dieser Fassade nicht recht deutlich wird. (...) Zwischentöne und Facetten sind nicht zu erkennen, irgendeine Wahrheit, wie Morrision im Nachwort behauptet, schon garnicht. Das wirkt mir dann im Ergebnis etwas zu einfach gestrickt...

      Ellis betreibt (wie Led Sepp schon sagte) bei „Transmetropolitan“ Gonzo-Journalismus in Reinform.
      Die Idee dahinter ist recht simpel: Wenn die nüchterne Beschreibung von Tatsächlichkeiten nicht mehr ausreicht, um dem grenzenlosen Wahnsinn in der Welt gerecht zu werden, muss man eben in der permanenten Übertreibung nach dem Kern der Wahrheit suchen - Dadurch kommt man besagter Wahrheit im Endeffekt näher, als bei der bloßen Betrachtung der zu beschreibenden Wirklichkeit. So zumindest die Theorie.
      Und genau mit diesem Mittel arbeitet Ellis bei „Transmetropolitan“. Die Zukunft, die er dort entwirft ist primär nur ein (extrem) übertriebenes Abbild unserer Realität - Sie erhebt dabei nicht den Anspruch besonders originell zu sein, sie sagt nur (mit ganz viel Augenzwinkern und jeder Menge Humor) etwas über unsere jetzige Gegenwart aus.
      Trotzdem würde ich deinem Vorwurf energisch widersprechen: Gerade im ersten Band schießt Ellis ein ziemliches Ideen-Feuerwerk ab.

      Und was die Rolle von Spider betrifft, wird von McFly doch gut auf den Punkt gebracht:

      BC McFly schrieb:

      …Spiders Befindlichkeit ist eigentlich nicht das Thema von Transmet. Er ist nur unser Begleiter durch diese Stadt der Zukunft. Er hat eine bestimmte, (sicher oberflächlich) amüsante Attitüde, aber viel mehr als eine Chiffre ist er nicht. Soll er auch nicht sein. Denn Transmet ist keine Charakterstudie.

      Spider ist nur das Produkt einer völlig kaputten Welt - Das Symptom einer Krankheit, die kollektiv die ganze Menschheit befallen hat. Ist er dadurch bedauernswert? Auf jeden Fall!
      Allein die Tatsache dass so etwas wie er überhaupt existiert, zeigt dass hier etwas gründlich schief läuft.
      Seine Methode (so gewalttätig und provokant sie auch sein mag) ist jedoch weniger selbstzweckhaft, sondern vielmehr das einzige Mittel, um in dem Chaos überhaupt noch gehört zu werden.
      Er richtet seine Scheinwerfer auf die Wunden der Stadt und dreht seine Lautsprecher auf, um der Welt ein kräftiges „Fuck You“ entgegenzuschleudern.
      In einer Gesellschaft in der alles mit großem Gebrüll den Bach runtergeht, ist er einfach derjenige der am lautesten brüllt, um den Menschen Orientierung zu liefern.
      Dies tut er jedoch weniger aus einer inneren Motivation heraus, sondern aus reinem Zwang (siehe Band 1).
      Spider zieht nicht in den Krieg, um die Menschheit zu retten - Er hat sie schon lange aufgegeben. Sein Kampf ist reine Selbsterhaltung. Sein Scheitern, die größte Bestätigung die er kriegen kann.
      "I try to judge things from a position of ignorance." (Alan Moore)

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Doctor Flamenco ()

    • Zunächst mal Danke für die ausführlichen Statements. So einiges ist mir damit schon klarer geworden. :ok:

      Die Bedenken von BCMcFly zum Thema "Motivation" kann ich nicht so ganz teilen. In der Regel haben Menschen Motive, Antriebe, Gründe oder wie immer man das nennen will für ihr Handeln. Diese als Autor nachvollziehbar zu machen, ist in meinen Augen kein Markel und muss auch nicht verschult oder hobby-psychologisch geschehen. Ich habe allerdings nunmehr verstanden, dass das hier bewußt nicht passieren soll. Das kann man natürlich so machen.

      Band 1 kenne ich nicht. Daher ist der zweite Band mein erster Berührungspunkt mit Transmetropolitan.

      Nach euren Aussagen ist mir mein eigenes Problem mit der Serie aber noch etwas deutlicher geworden. Ich sehe die Welt letztlich wesentlich positiver und vielschichtiger als hier dargestellt und teile auch nicht das Lebensgefühl oder die Einstellung von Spider. Es ist im Gegenteil so, dass mich Menschen, die die "Meschheit aufgegeben haben" und "Scheitern als Selbstbestätigung" empfinden, zunehmend befremden. Das heißt nicht, dass ich alles rosarot sehe, aber vielleicht mit einer differenzierteren Darstellung mehr anfangen könnte.

      Vor diesem Hintergrund wäre meine Frage, ob sich aus Band 1 für mich noch ein Mehrwert ergeben würde oder ob ich da ein hoffnungsloser Fall bin. :)