Sin Titulo

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    • Sin Titulo - Der Comic, der seinen Titel verlor

      Ein von Cameron Stewart gezeichneter und geschriebener Comic mit autobiographischen Elementen, der vorab als Web Comic veröffentlicht wurde und dafür auch einen Eisner Award abräumte.

      Nach dem Ableben seines Großvaters, bekommt der Hauptprotagonist Alex eine Schachtel mit dessen Vermächtnissen überreicht. Dort entdeckt er auf einem Foto, eine ihm unbekannte, junge Frau – geheimnisvoll und das Gesicht mit einer dunklen Sonnenbrille bedeckt - an der Seite seines Opas und beginnt eigenmächtig nachzuforschen…

      Die Tür ist somit aufgestoßen worden. Der Startschuss zu einem Abstieg ins Verborgene und Vergessene, an längst verlassen Orte, bei dem die Bodenhaftung zur Realität zunehmend zu schwinden droht. Sogartig gerät Alex in einen Strudel aus Schicksalsschlägen, Verzweiflung und Gewalt um mitten in einem Albtraum zu erwachen. Oder Träumt er die Wirklichkeit. Grenzen werden verschoben und verschwommener, um langsam zu Verschmelzen, bis keine klare Linie mehr auszumachen ist. Eine Welt bestehend aus Erinnerungen, Wahn und Besessenheit. Und mitten an seine Seite genommen und mit hineingezogen – der Leser.

      Stewart erzählt mit Sin Titulo im Grunde eine Geschichte - irgendwo zwischen Autobiographie, Mystery-Thriller und reinstem Horror - um einen entscheidenden Wendepunkt im Leben eines jungen Mannes. Der verdorrte Baum als Sinnbild des Lebens und zentrales Leitmotiv. Durch das Spielen mit Urängsten sowie symbolhaften Visionen, die direkt einer Art kollektivem Bewusstsein entsprungen sein könnten, kreiert er eine absolut dichte Atmosphäre, die einem sofort in ihren Bann zieht und frühestens nach Beendigung des Bandes wieder loslässt. Mitreißend, spannend, nervenaufreibend, teilweise unheimlich bis hin zu reinstem Psycho-Terror und durchaus in der Lage einen kalten Schauer zu verpassen, der einem langsam den Rücken runterkriecht und die Nackenhaare aufstellen lässt.

      Neu-Deutsch könnte kann man wohl von einem Hirnfick sprechen und zwar keiner, von der billigen rein-raus Nummer, die am Ende einen plumpen Story-Twist präsentiert, sondern einen mit Klasse und Niveau. Ganz im Stile eines guten Liebhabers werden die Gehirnwindungen so richtig hergenommen - behutsam, langsam aufbauend, aber auch ausdauernd und schlussendlich umso intensiver und vor allem tief eindringend. Und somit auch um einiges nachhaltiger.

      Ein Comic, der keine eindeutige Auflösung liefert und einiges im Dunkeln lässt. Zwar werden so manche Mysterien geschickt verwoben, Verbindungen geknüpft sowie Hinweise gestreut – letzten Endes bleibt aber ein surreales Konstrukt mit genug Raum, der zum deuten und analysieren einlädt. Parallelen zu den Filmen eines David Lynchs (allen voran „Lost Highway“: der Clown, das Videoband etc.) sind nicht zu übersehen, ebenso wie Einflüsse eines Franz Kafka, Luis Bunuel oder der auf dem Cover genannte Haruki Murakami. Wie gut das alles wirklich funktioniert, wie sinnig, durchdacht und vielschichtig es ist, wird sich höchstwahrscheinlich dann erst in einem zweiten Lese-Durchlauf offenbaren.

      Im Comic Bereich, kommen einem erstmal die „entfernt ähnlich“ gelagerten Werke eines Charles Burns in den Sinn. Während diese, aber eher eine verdrogte Schiene fahren, in der sich das Unterbewusstsein in Form von bizarren und grotesken Umgebungen und Auswüchsen manifestiert, verfolgt Stewart eher eine „geerdete“ Richtung. Fast schon eine Art Noir-Krimi, der vernebelt vor sich hin fantasiert wird und vollständig außer Kontrolle gerät.

      Dazu passend gibt sich auch die reduzierte schwarz-weiß Optik mit einem Sepia-Ton als einzigen farblichen Akzent und die klassische, streng angeordnete Panel Folge mit genau vier mal zwei Bildern pro Seite. Ein stimmiges und durchaus kunstvolles wie edles Erscheinungsbild, das in dem Querformatigen Band vollends zur Geltung kommt. Dieses Format, das im aufgeklappten Zustand, das menschliche Blickfeld fast vollständig für sich vereinnahmt, ist generell sehr entspannend zu lesen und an sich auch toll, sieht aber im Regal vollkommen scheiße aus. ;)

      Das Niveau eines „Blackholes“ oder der „X / Kolonie“ Trilogie erreicht „Sin Titulo“ nicht (ganz), wenn man aber seine Hirnlappen mal wieder so richtig durchrütteln und sich auf einen intensiven Trip entführen lassen will, sollte man den loligen mindfuck Thread mal lieber ganz schnell vergessen und stattdessen zu „Sin Tintulo“ greifen.;) Vorläufige, knappe 9/10








    • Sin Titulo

      Alex Mackay ist ein normaler Durchschnittstyp, der bei einer Zeitungsredaktion arbeitet, und sein Leben zusammen mit seiner Freundin lebt. Doch plötzlich ändert sich seine Existenz grundsätzlich. Alles beginnt mit dem Tod seines Großvaters. Der alte Mann wohnte zuletzt in einem Pflegeheim, und Alex hatte wenig mit ihm zu tun, da er „immer sehr beschäftigt war“, jedenfalls zu sehr, um den Rentner zu besuchen.

      Als er das Pflegeheim besucht, um die persönlichen Sachen seines Verwandten abzuholen, fällt ihm dabei ein Bild auf. Es zeigt seinen Großvater, zusammen mit einer jungen Blondine und mit etwas, was er bei seinem Großvater niemals gesehen hat: ein Lächeln.

      Wie gebannt macht sich Alex die Suche nach der Dame, doch viele Spuren führen in eine Sackgasse, und es dauert nicht lange, bis er sich die erste blutige Nase geholt hat.

      Dazu kommt ihm ein Traum aus seiner Kindheit in den Sinn. Er läuft allein, an einem seltsamen Strand, auf einen knochigen alten Baum zu, unter dem jemand sitzt. Doch scheinbar kommt er nicht näher, bis seine Sicht plötzlich stehen bleibt, und er sich selbst auf dem Baum zu rennen sieht…

      Das ganze wird mysteriöser, je mehr Alex versucht eine Lösung zu finden. Die Grenzen von Traum und Realität verschwimmen, und bald findet er sich in einem Strudel aus Fantasie, Gewalt und bösen Erinnerungen wieder, der sein Leben zu zerstören droht. Kann Alex seiner eigenen Vergangenheit entkommen?


      Fazit:


      Der Künstler Cameron Stewart hat diesen Comic von Juni 2007 bis April 2013 neben seiner Arbeit für DC, Darkhorse und Marvel zunächst als reinen Webcomic geschaffen. Während er also an Serien wie B.P.R.D., Seaguy, Batman und Robin oder an Covern für Wolverine oder Marvel Adventures zeichnete, veröffentlichte er im Wochenrhythmus je eine Seite mit 8 Panels, die nun zu dieser Graphic Novel zusammen gefaßt wurden.

      Dafür wurde das Querformat beibehalten. Panini hat dem Band auch eine wunderschöne Haptik verpaßt, denn der Band erscheint als Hardcover mit Lackoptik auf dem Cover, jedoch ohne so anfällig zu sein wie mache Alben anderer Verlage.
      Die komplette Geschichte ist in 3 Farben gestaltet (Schwarz, Weiß, Sephia), was die Zeichnungen Stewards sehr schön betont. Der leicht cartoonig angehauchte Stil, der in Richtung Darwyn Cooke geht (in Richtung, nicht,gleich, Sepp ;) ), gefällt mir so gut, daß ich auch in die aktuelle Batgirl-Serie hineinschauen werde, die Stewart ab Oktober 2014 gestalten soll.

      Wer sich also auf eine wilde Achterbahnfahrt zwischen Realität und Wahnsinn begeben möchte, ist hier bestens bedient. Sin Titulo ist definitiv ein Werk, welches man auch mehrfach lesen kann, und immer etwas Neues entdecken wird, auch bzw. weil mal das Ende bereits kennt. Ein Mehrwert, der in aktuellen Comics immer seltener wird.

      Der Surrealismus der Geschichte erinnert an Charles Burns Black Hole, bei dem die Grenze zwischen Realität und „Traum“ auch sehr fließend war. Stewart läßt dem Leser jedoch die Möglichkeit, sich seinen eigenen Reim auf die Vorgänge zu machen, und erklärt nicht jedes Details seiner Geschichte haarklein. Selbst denken ist als angesagt.

      Die Geschichte wurde 2009 mit einem Shuster-Award und 2010 mit einem Eisner-Award, jeweils in der Kategorie Web- bzw. Digitalcomic ausgezeichnet.

      Lohnenswert ist auch ein Blick auf die Homepage des Kanadiers, die sehr viele Zeichnungen und Extras enthält: cameron-stewart.tumblr.com/
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      Comic-Podcast[/center]

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von breedstorm ()



    • "Nach dem Tod seines Großvaters entdeckt Alex Mackay ein rätselhaftes Foto, auf dem der alte Mann glücklich lächelnd mit einer jungen und sehr verführerischen Frau zu sehen ist. Die Frage, wer die unbekannte Schöne ist und was für eine geheimnisvolle Beziehung die beiden verband, beschäftigt Alex von nun an. Er steigert sich geradezu obsessiv in das Vorhaben hinein, dieses Rätsel zu lüften. Die Recherche reißt ihn fort von seinem langweiligen Alltag und führt ihn in die Niederungen einer abstrusen und elenden Welt voller Gefahren, in der Traum und Realität miteinander verschmelzen.

      Gewinner des EISNER AWARD 2010!

      Gewinner des JOE SHUSTER AWARD 2009!"


      ich habe mir den comic gerade in voller länge (und hoffentlich legal) auf sintitulo.de/comic-archiv/ angeschaut und bin wirklich sehr angetan.

      diese surreale geschichte hat viele gute facetten und ideen und beeindruckt spätestens durch ihre einzigartige bebilderung mit einer düsteren aber auch einprägsamen atmosphäre. zeitweise fühlte ich mich auch an die idee hinter "the matrix" erinnert.

      gruß
      andi
    • Wie hoch ist den eigentlich der Crime / Thriler / Noir Anteil ? ((Interessiert mich mehr)


      bzw. überwiegt der surreale Mystery Anteil (interessiert mich weniger)

      Irgeneine Klitzekleine Ähnlichkeit zu Brubaker Crime Comics oder von mir aus auch Lapham Own Comics oder wirklich mehr eine Art David Lynch Comic ?

      Hätte man gleich mit dem Zeichner der mit Ed Brubaler mal zusammen Catwoman machte geworben, wäre ich wesentlich schneller darauf aufmerksam geworden.
    • zu beginn war das alles noch irgendwie eher crime und thriller. stück für stück driftet es etwas in richtung mystery ab, findet aber dennoch antworten auf die meisten fragen. von den von dir genannten künstlern kenne ich nur lynch und dessen arbeit ist ganz klar noch viel surrealer. kannst ja mal auf der von mir geposteten seite reinschauen obs dir gefällt.

      gruß
      andi
    • Danke, hört sich von der Surrealität wie so etwas ahnliches wie Tale Of Sand von Dani Books an., zumal mich der Krankenpfleger und die Geheimnisvolle Schöne mit Sonnenbrille in der Preview auch etwas an Figuren aus diesem Buch erinnert .
      Den Darwyn Cooke Zeichenstil mag ich spätestens seit Parker auch sehr gerne
      Lynch-Filme mag ich zwar, aber nicht immer und auch nur in kleinen Portionen ab und zu
      Der Matrix Vergleich interessiert mich am meisten, allerdings habe ich immer ein bisschen Bammel vor einem Schluss wo ich mir vieles subtil zusammenreimen muss und er sich mir vielleicht doch nicht völlig verkopft nicht ausreichend erschliesst.
      Wenn ich es aber sofort schaffe und er bei mir den Nerv trifft ist es super, aber wehe nicht...gerade bei Lynch oder Gilliam Filmen hatte ich so oft meine Probleme .
      Aber dann ich mich ja immer noch von der düsteren geheimnisvollen Grundstimmung treiben lassen (Lost Highway)
      Stehe doch noch etwas mehr auf klare Hard Boiled und Crime Sachen.
      Trotzdem werde ich bei dem Band jetzt wohl mal probeweise zuschlagen, wird dann meine allererste GN von Panini
      Wusste auch gar nicht , das der Autor in Berlin lebt.

      Ohne die Comic des Jahres Nominierung wäre ich im übrigen niemals auf den Band aufmerksam geworden
      tagesspiegel.de/kultur/comics/…-des-jahres/11102762.html
      Hatte dann bei den einzelnen Jurymitgliedern wie Frauke Pfeiffer und Lutz Göllner , die aus der Vergangenheit meist einen ähnlichen Geschmack wie ich haben, den Band ebenfalls einzeln in der Empfehlung weit oben gesehen und bin so erst darauf aufmerksam geworden und beschäftige mich seitdem mit Ihm....
      Vor allem mit dem Satz : .Ein surrealer Thriller, irgendwo zwischen David Lynch und P. K. Dick, subjektiv, zerstückelt, gespenstisch und wahnsinnig traurig“,von Lutz Göllner

      tagesspiegel.de/kultur/comics/…-erinnerung/10814668.html
    • Gerade gesehen, dass von Cameron Stewart als nächstes das 10 teilige Comic- Sequel des Filmes Fight Club 2, ( geschrieben vom Buchautor von Chuck Palahniuk selbst ) demnächst bei Dark Horse erscheinen wird.
      nerdcore.de/2015/02/19/fight-club-2-comic-sequel-preview/
      rollingstone.com/culture/featu…ght-club-2-comic-20150218
      Bin ja immer skeptisch bei solchen nachträglich entstanden Sachen, zumal es hier um einen meiner Lieblingsfilme handelt.
      Aber interessieren würde mich der Band grundsätzlich trotzdem.
      Mal sehen ob auch die Entscheidung zu einem eher Cartoonartigen Zeichenstil die richtige ist.

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von AHa ()