Just my 2 cents - Kurzreviews von God_W.

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    • In den eisigen Weiten Kanadas färbt sich der Schnee rot von Blut…

      ACTIONKINO am Freitagabend (Nr. 31) - Samstagsausgabe



      Titel: Hit-Girl in Kanada

      Verlag: Panini (US: Millarworld)

      Format: 100 Seiten im Softcover

      Inhalt: Hit-Girl (2018) #5-8

      Autoren: Jeff Lemire

      Zeichner: Eduardo Risso

      Klappentext bzw. Angaben des Verlags:
      HIT-GIRL IST IN KANADA
      Jeff Lemire und Eduardo Risso begleiten Mark Millars zwölfjährige Killerin Hit-Girl auf dem zweiten Halt ihrer blutigen Reise!

      EISKALTE KILLER IN KANADA
      ihr brutaler Kreuzzug gegen den verbrecherischen Abschaum dieser Welt führt Hit-Girl nach Kanada. Im eisigen Norden des amerikanischen Kontinents richtet Mindy McCready ihre Knarren und Katanas gegen eine Bande skrupelloser Drogendealer. Inmitten der verschneiten Wildnis muss die blutrünstige Mini-Killermaschine jedoch schnell feststellen, dass die raue Natur in der Heimat der Mounties ebenfalls ein gefährlicher und vor allem ein gnadenloser Gegner sein kann...

      Der ultrablutige zweite Band der krassen neuen Hit-Girl Serie aus Mark Millars und John Romita Jr. KICK-ASS-Universum, inszeniert von den Superstars Jeff Lemire (OLD MAN LOGAN, MOON KNIGHT) und Eduardo Risso (100 BULLETS, BATMAN: KAPUTTE STADT).



      Just my 2 cents:
      Ja, die kleine Mindy ist mir im Verlauf von Kick-Ass 1-3 und Ihrer ersten Solo-Reihe Hit-Girl enorm ans Herz gewachsen und wie ich schon mal erwähnt habe ist sie meines Erachtens im direkten Vergleich mit Kick-Ass selbst der etwas spannendere Charakter. Da passt es ganz gut, dass mir vor einiger Zeit dieser mit 100 Seiten recht überschaubare Paperback ins Haus geflattert kam. Grundsätzlich handelt es sich bei Hit-Girl in Kanada zwar um den zweiten Teil ihrer großen Rundreise, die mit Kolumbien begann und in Kürze in Rom fortgesetzt wird, aber die Bände sind allesamt von verschiedenen Kreativteams erdacht und realisiert und als unabhängig voneinander lesbare One-Shots konzipiert. Davon abgesehen machen Freunde von mir gerade eine Rundreise durch Kanada und schicken regelmäßig grandiose Landschafts- und Tieraufnahmen, ja auch einen Bären haben sie schon live vor die Linse bekommen. Auf Kanada hatte ich jetzt also richtig Lust bekommen.

      In den verschneiten Wäldern Nordkanadas sitzt Mindy im Schnee und fängt, genauso wie das kleine Kinder überall auf der Welt gerne machen, Schneeflocken mit ihrer Zunge ein. Zack, wieder eine erwischt – toll! Anschließend schnappt sie sich ihr Messer und macht sich daran ihren Fuß abzutrennen, der in eine Bärenfalle geraten ist…

      Drei Tage zuvor in Toronto. Little Mindy schlendert lässig in eine Bar und lässt sich selbstverständlich nicht von den Schlägertypen hinauswerfen, die ihr umgehend auf die Pelle rücken. Sie ist auf der Suche nach Billy Baker, einem Drogendealer der Heroin nach New York verkauft. Nach kurzen aber aggressiven Verhandlungen findet sich unter den harten Burschen einer der auspackt. Billy Baker Senior ist aktuell außer Landes, aber der Junior hat schon läuten hören, dass die kleine Hit-Girl hinter ihm her ist und hat sich in Papas Jagdhütte in den Bergen Kanadas geflüchtet. Pah, als ob Mindy das aufhalten würde…



      Was jetzt kommt ist landschaftlich toll, von Señor Risso atmosphärisch und modern gezeichnet, aber auch äußerst stereotypisch und mutet mit dem recht knappen Umfang auch ein wenig wie Fast Food an. Schön ist, dass mit einigen kleinen Rückblenden oder in Diliriumbehafteten Träumen Mindys Seelenleben wenigstens am Rande aufgegriffen und näher beleuchtet wird. Auch der kernige Bergbewohner ist eine äußerst sympathische Nebenrolle. So jemand, der vor Jahren für den Oscar als bester Nebendarsteller nominiert worden wäre, wenn er von einem Typ wie Ernest Borgnine oder George Kennedy oder so gespielt worden wäre. Und es gelingt Jeff Lemire (das ist übrigens mein erster Comic von ihm) sogar dem alten Haudegen auf wenigen Seiten etwas Background zu geben, sodass man ihn echt liebgewinnt.

      Dennoch, Überraschungen werden eigentlich keine geboten, wodurch auch kaum Spannung aufkommt. Klar, Langeweile auch nicht, weil das Ganze dafür einfach viel zu schnell vorbei ist und reichlich Action geboten wird. Diese auf dem Klappentext aber als ultrablutig zu bezeichnen oder im Vorwort sogar so weit zu gehen, dass man eines Besseren belehrt wird, wenn man denkt in Sachen Gewalt schon alles gesehen zu haben finde ich doch ein wenig überzogen, wenn man bedenkt was die letzten Jahre so alles auf dem Markt zu finden ist. Klar, es geht Mindy-typisch heftig Zur Sache und das ist alles andere als zimperlich, aber eine schockierende Gewaltorgie ist das sicher nicht. Also für Freunde von Hit-Girl und/oder Kanadas auf jeden Fall einen Blick wert, aber weit entfernt davon eine Großtat zu sein, sowohl innerhalb des Kick-Ass-Universums als auch allgemein. Dazu mit 15€ für gerade mal 100 Seiten auch nicht ganz günstig, auch weil das gute Stück mit recht wenig Text doch ratz fatz durch ist.

      Meine Wertung: 6/10

      Gestern leider mal wieder überhaupt keine Zeit zum Lesen gehabt, den Band deshalb heute Morgen während des Frühstücks gelesen. Ja, ein ausgedehntes Frühstück reicht um den komplett zu verschlingen. Leider. Ich denke (und hoffe) mal, dass diese Arbeit kein Vorzeigewerk für das Können von Jeff Lemire ist! Werde mich demnächst mal an Essex County, Sweet Tooth und Black Hammer machen und erhoffe mir deutlich mehr.

      VG, God_W.
      :!: Ich freue mich immer über Besuch und netten Austausch in meinem Rezi-Thread :!:

      :guitar: Just my 2 Cents :kette:
    • God_W. schrieb:

      Ich denke (und hoffe) mal, dass diese Arbeit kein Vorzeigewerk für das Können von Jeff Lemire ist! Werde mich demnächst mal an Essex County, Sweet Tooth und Black Hammer machen und erhoffe mir deutlich mehr.

      Kannst du auch. ;) Das sind Meisterwerke, insbesondere Sweet Tooth. :love: Ein anderes Highlight von ihm ist das aktuell noch laufende Gideon Falls, eine Horror/Mystery-Story, die sich anfühlt als hätte Stephen King mit Lovecraft ein Kind in Comicform gezeugt. Meiner Meinung nach kann kaum jemand Charakteren so schnell und gut Leben einhauchen wie Lemire.
      Ascender fing auch schonmal ausgezeichnet an, und hat das Potential noch besser zu werden als die Mutterserie Descender, das auch sehr gut war, aber sich später ein bisschen im Pacing verlaufen hat.

      Hitgirl in Canada fand ich als riesiger Lemire-Fan auch recht schwach, lag aber sicher auch daran, dass das für Lemire eher ne Freundschaftsarbeit gegenüber Millar war statt nem persönlichen Passionproject.
      Garth Ennis: "[...] I think the fact that such a dumb genre [superheroes] dominates a great storytelling medium is lamentable [...]."
    • Vito schrieb:

      God_W. schrieb:

      Ich denke (und hoffe) mal, dass diese Arbeit kein Vorzeigewerk für das Können von Jeff Lemire ist! Werde mich demnächst mal an Essex County, Sweet Tooth und Black Hammer machen und erhoffe mir deutlich mehr.
      Kannst du auch. ;) Das sind Meisterwerke, insbesondere Sweet Tooth. :love: Ein anderes Highlight von ihm ist das aktuell noch laufende Gideon Falls, eine Horror/Mystery-Story, die sich anfühlt als hätte Stephen King mit Lovecraft ein Kind in Comicform gezeugt. Meiner Meinung nach kann kaum jemand Charakteren so schnell und gut Leben einhauchen wie Lemire.
      Ascender fing auch schonmal ausgezeichnet an, und hat das Potential noch besser zu werden als die Mutterserie Descender, das auch sehr gut war, aber sich später ein bisschen im Pacing verlaufen hat.

      Hitgirl in Canada fand ich als riesiger Lemire-Fan auch recht schwach, lag aber sicher auch daran, dass das für Lemire eher ne Freundschaftsarbeit gegenüber Millar war statt nem persönlichen Passionproject.
      Na das erleichtert mich doch ungemein und lässt meine Vorfreude wieder wachsen. :ok: :)
      Ja, Gideon Falls hab ich auch schon auf dem Schirm, kommt auf jeden Fall dran, wenn mein Lese-K2 wieder etwas abgenommen hat und Descender steht auch schon länger auf der Liste. Bei Gideon Falls finde ich es nur ein wenig schade, dass die Standardvarianten gegenüber den Vorzugsausgaben (meines Erachtens) die deutlich schöneren Cover haben.
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    • Welche Rolle spielt der kleine Julien bei der Schlacht zwischen Himmel und Hölle?



      Titel: Das verlorene Paradies: Band 2 - Fegefeuer

      Verlag: Splitter (FR: MC Productions)

      Format: 48 Seiten im Hardcover/Albenformat

      Inhalt: Paradis perdu: Purgatoire

      Autoren: Anne Guéro; Gérard Guéro (beide zusammen = Ange)

      Zeichner: Alberto Varanda

      Klappentext bzw. Angaben des Verlags:
      Gabriel ist ein Engel, aber keineswegs der berühmte Erzengel,
      sondern nur ein unbedeutender 'Wächter', der eines der vielen Tore zwischen Licht und Dunkel bewacht. Außerdem hat Gabriel ein echtes Problem: er ist in die wunderschöne Dämonin Anya verliebt.

      Richtig kompliziert wird es, als er eines Tages einen Jungen namens Julien abfängt, der an der Schwelle zur Unterwelt umherirrt. Gabriel ahnt nicht, dass er damit buchstäblich Himmel und Hölle in Bewegung setzt. Die kosmische Ordnung gerät ins Wanken, denn alle sind hinter dem Kind her. Und Anya? Wird sie Gabriel helfen, den Jungen zu retten? Oder treibt sie ein doppeltes Spiel?



      Just my 2 cents:
      Nach dem doch sehr überraschenden Cliffhanger am Ende des ersten Bandes musste ich die zweite Runde natürlich ziemlich zügig dranhängen. Sind ja auch relativ schnell mal gelesen, die schlanken 48 Seiten, die Splitter wieder in einem schönen Hardcover in Albumgröße verpackt hat.

      Wie so oft, zum Beispiel bei jeder zweiten Folge Walking Dead, wird der Cliffhanger des Vorgängers nicht direkt zu Beginn wieder aufgegriffen, sondern wir starten erstmal ganz woanders. In diesem Fall in der fernen Vergangenheit, wo in den himmlischen Gefilden eine erbitterte Schlacht tobt. Ein ultimatives Gefecht, ausgelöst durch Widerspruch, Rebellion und Verrat. Dinge die allesamt im Himmel nicht geduldet werden und noch weitaus schlimmer wiegen, da sie von einem geliebten Vertrauten begangen wurden. Im Verlauf dieser ersten Seiten erfahren wir, wie es zum Fall von Anya kam, nachdem sie fortan ihr Dasein als Dämonin zu fristen hat.

      Im Hier und Jetzt, nachdem eine Ewigkeit verstrichen ist, versuchen der Engel Gabriel und die dämonische Anya sich wieder zusammenzuraufen und den Jungen Julien wieder aufzuspüren. Der spielt offenbar eine Gewichtige Rolle im Gleichgewicht zwischen den Mächten, hat sein Vertrauen in Gabriel allerdings verloren und flieht kopflos durch die Unterwelt. Dass das äußerst gefährlich ist, ist klar und so dauert es nicht lange, bis der schutzlose Bengel auf blutrünstige Höllenhunde, verführerische, falsche Freunde und schließlich ganze Armeen zähnefletschender Bestien trifft. Eine Atemlose Hatz zwischen Flucht, Rettungsversuch und erneuter Flucht vor den finsteren Horden bis hinauf in die höchsten Himmelstüren nimmt ihren Lauf.



      So aufregend und spannend wie das vielleicht klingt ist es leider nur Streckenweise. Was wieder sehr positiv heraussticht ist das aufwändige, prachtvolle und teilweise wirklich beeindruckende Artwork von Alberto Varanda. Sowohl die himmlischen Gefilde, als auch die finsteren Dämonenlandschaften sind echte Hingucker und die wunderbar edel anmutenden Engelszenen wirken ungemein elegant. Allerdings wird der Erzählfluss oftmals unterbrochen und kommt ein bisschen holprig daher. So manche Aussage oder Szene bleibt in ihrer Intention etwas unklar oder wirkt gar kryptisch. Bin gespannt, ob sich das legt und in den verbleibenden beiden Bänden Auflösungen und Erläuterungen dazu geboten werden. Bei diesem Zweiten Band hat man zwar das Gefühl, dass Einiges passiert, man im Grunde aber kaum vorankommt. Im Gegenzug werden dafür große Fragen, beispielsweise über die Komplexität der menschlichen Seele und unseres Daseins aufgeworfen. Ob die vier Büchlein der richtige Rahmen für so etwas sind? Wir werden sehen…

      Meine Wertung: 6/10

      Hmmm, obwohl mehr Action drin ist, dennoch irgendwie weniger spannend als der Erstling und auch weniger stringent im erzählerischen Part. Mal schauen, ob das in der zweiten Hälfte wieder anzieht.

      VG, God_W.
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    • Tapfer und mutig stürzen wir uns in die nächste Runde Team-Up-Abenteuer…



      Titel: Batman Collection: Jim Aparo 3

      Verlag: Panini (US: DC)

      Format: 268 Seiten im Hardcover

      Inhalt: The Brave and the Bold #123-136

      Autoren: Bob Haney

      Zeichner: Jim Aparo, John Calnan

      Klappentext bzw. Angaben des Verlags:
      BATMAN UND JIM APARO GEGEN DAS BÖSE
      Comic-Legende Jim Aparo gehört zu den prägendsten Zeichnern der Batman-Historie. Sein Einfluss auf den Mitternachtsdetektiv ist bis heute spürbar. Unvergesslich sind dabei vor allem die Heldentreffen, die Aparo und Autor Bob Haney in der erfolgreichen US-Reihe The Brave and the Bold inszenierten.

      In diesem Band der BATMAN COLLECTION, der erneut ganz Aparos Schaffen gewidmet ist, tut sich der Dunkle Ritter u. a. mit Green Arrow, Aquaman, Wonder Woman, Deadman, Green Lantern und Flash zusammen und zieht mit diesen Verbündeten an seiner Seite gegen tödliche Feinde wie den Joker und Two-Face! Außerdem haben Aparo und Haney selbst einen Auftritt als dynamisches Duo und unterstützen Batman im Kampf gegen das unermüdliche Böse…

      Just my 2 cents:
      Im Verlauf der letzten Wochen immer mal wieder eine Story aus dem, mit 268 Seiten doch relativ dicken Brummer gelesen, und genau wie bei den ersten beiden Sammelbänden zum Schaffen von Zeichnerlegende Jim Aparo wieder einen Mords-Spaß dabei gehabt. Enorm abwechslungsreich hatte Schreiberling Bob Haney die Zeit vom Dezember 1975 bis zum September 1977 gestaltet, die in diesem Band überspannt wird. Gerade bei der großen Varianz der Themen bietet es sich natürlich an zu jeder Geschichte ein paar Worte zu verlieren.



      Dez 1975 - The Brave and the Bold 123: Wie man einen Superhelden macht
      Batman ist gerade dabei einen Banküberfall mit Geiselnahme aufzulösen, als Jim Gordon dazukommt und ihm einen Haftbefehl überstellt. Batman soll für die Cops einen Betrüger und Mörder Dingfest machen – Bruce Wayne! OK, das klingt erstmal nicht gut, wird aber noch weit abgedrehter, als Batman dies tatsächlich tut! Er schnappt sich Bruce Wayne und buchtet ihn ein. Wie das möglich ist und, was Plastic Man Metamorpho damit zu tun haben, lest Ihr am besten selbst mal nach.

      Gleich der Einstieg in den Band ist extrem irre und abgedreht, aber die zu Beginn etwas verzwickte Story macht ungemein Laune und ist direkt ein kleines Highlight der Sammlung.



      Jan 1976 - The Brave and the Bold 124: Kleinkrieg der Supergewehre
      Batman verfolgt eine Bande bis an die Zähne bewaffnete Terroristen. Die Halunken sind sogar besser ausgerüstet als die Armee! Doch wo bekommen die hinterhältigen Verbrecher diese neuen High-End-Waffen her? Da trifft es sich gut, dass ein alter Bekannter Batmans ebenfalls schon dabei ist die Spur der illegalen Waffen zurückzuverfolgen - Der alte Haudegen Sgt. Rock. Doch gerade als die beiden kurz davor sind das erste große Puzzleteil zu finden geschieht etwas äußerst Unerwartetes. Batman und Rock sterben im nächsten Panel. – Also zumindest hat der Autor das wohl so geschrieben. Doch da hat der berühmte Zeichner Jim Aparo auch noch ein Wörtchen mitzureden! Sowas würde er niemals tun! Doch so einfach ist das nicht, sich dem Willen des Autors entgegenzusetzen, wenn plötzlich die Terroristen mit Waffen neben dem Zeichenbrett stehen und den Meister von Bleistift und Tusche dazu zwingen wollen Batmans Ableben zu Papier zu bringen.

      Ha! Von wegen abgedrehter geht’s nicht mehr! Durch den Einzug dieser Metaebene können wir Meister Aparo in diesem Sammelalbum zu seinen Ehren auch noch live über die Schultern schauen und den knallharten Kampf um Batmans weiterleben hautnah miterleben! Ein Grandioser Kniff, der unglaublich Spaß macht und allein für die Idee die volle Punktzahl verdient.



      Mrz 1976 - The Brave and the Bold 125: Strassen voller Gift
      Nach dem sehr humorvollen Metaebenenausflug wird es jetzt wieder ernster. Das Thema Drogen war in den 70ern wohl allgegenwärtig und gerne genommen. So auch hier, wo Batman mit Hilfe von Barry Allen, alias Flash, dem schnellsten Menschen der Welt, versucht direkt gegen die Ursache des Übels vorzugehen, das die Straßen Gothams überschwemmt. Zu diesem Zweck reisen die beiden in Dschungel Südost-Asiens um den dortigen Drogenbaron und seine Plantagen unschädlich zu machen.

      Ein abenteuerliches Unterfangen, gespickt mit reichlich Action, exotischen Schauplätzen und hübschen Frauen, die vielleicht gar nicht das sind, was sie zu sein scheinen. Schöner Happen für zwischendurch.



      Apr 1976 - The Brave and the Bold 126: Was lauert unter Boje 13?
      Aaaawwww! Seemannsgarn! Ich liebe Seemannsgarn! Also zumindest Stories, die einen Hauch davon versprühen, und das ist hier definitiv der Fall. Dazu ist natürlich Thematypisch Aquaman mit am Start, den ich seit dem Kinostreifen und den beiden vorangegangenen Aparo-Bänden echt gerne mag. Wirkt irgendwie gleich frischer, wenn der blonde Wassermann am Start ist.

      In diesem Fall ist das Ganze eingebettet in eine Spionagestory, wie sie nur dem kalten Krieg entspringen konnte. Der wird übrigens prinzipiell recht oft bemüht in den Aparo-Bänden, was ich persönlich ein wenig ermüdend finde, aber hey, ist halt ein Kind seiner Zeit und spannend ist die Hatz nach der Chiffriermaschine allemal und erinnert außerdem ein wenig an James Bond – In tödlicher Mission (gibt ja weit Schlimmeres).



      Jun 1976 – The Brave and the Bold 127: Toten Manns Viereck
      Puh, gleich noch ein Thema, welches mir ein bisschen bitter aufstößt. Batman im Kampf gegen illegale Einwanderer. Wie die Amis das immer glorifizieren da die bösen Mexikaner oder sonst wen auszusperren (aus einem Land, dass die selbst ja rein geschichtlich gesehen auch noch nicht sooo lange ihr Eigen nennen, da hab ich immer so ein wenig meine Probleme mit). Aber sei es drum, für Batman ist viel überraschender, dass die Flugzeuge, auf denen die Illegalen geschmuggelt werden aus des Toten Manns Viereck kommen. Einem Gebiet, ähnlich dem Bermuda-Dreieck, in dem sein alter Kumpel Wildcat eine Insel besitzt, auf der er ein hübsches Spa für Reiche eingerichtet hat. Ja, ich weiß wie bescheuert das Klingt, ein Spa da hin zu bauen, wo die Gäste zu 50% erstmal abstürzen oder kentern bevor sie dort sind. Tja, nicht jede Story kann eine Großtat sein und in ihrer Lächerlichkeit und mit dem sympathischen Wildcat an Bats Seite kriegt man die paar Seiten auch schnell gelesen.



      Jul 1976 - The Brave and the Bold 128: Tödliche Unze
      Die Amis wollen ein Bündnis mit einem Staatsoberhaupt aus der arabischen Welt schließen, um im Kalten Krieg (mal wieder) besser dazustehen. Doch zack – einmal nicht aufgepasst und der stolze Schah wurde entführt. Aufgrund der speziellen Methoden der Entführer und deren vermeintlicher Identität ist Batman auf die Hilfe eines besonderen Freundes angewiesen, der Entfesselungskünstler Mister Miracle (nicht zu verwechseln mit Alan Moores Miracleman).
      Ziemlich sinnbefreite Story in einem spaßigen Team-Up, reichlich Action und verschrobenen Charakteren. Kann man schon machen, ist aber kein Highlight.

      Tapfer geht es weiter, im nächsten Post…
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      :guitar: Just my 2 Cents :kette:
    • Mutig weiter Richtung Finale…



      Sep 1976 - The Brave and the Bold 129: Die Klauen des Kaiseradlers
      Als Alexander der Große sich dereinst daran machte die bekannte Welt zu erobern drang er irgendwann nach Indien vor. In einer Stadt namens Pathan hatten die Einwohner solche Angst vor ihm, dass sie ihm eine Statue gossen. Einen riesigen eisernen Vogel, dem sie dem neuen Herrscher als Willkommensgeschenk überbrachten, insgeheim aber verfluchten. Der Fluch zeigte Wirkung und so verlor Alexander alsbald sein Leben und sein Weltreich zerbrach. Quer durch die Jahrhunderte fiel die Statue noch weiteren Berühmten Herrschaften, wie Napoleon Bonaparte, dem Archäologen Abercrombie und sogar Hitler. All jenen hat der Adler nicht viel Glück gebracht, doch diesen Fluch will der Sonnyboy Oliver Queen, besser bekannt als Green Arrow nun brechen. Klar bringt das reichlich Schwierigkeiten mit und um die zu bestehen braucht er einen guten Freund – Batman.

      Wieder so eine absurde, hanebüchene Geschichte, die aber unheimlich viel Spaß macht, auch wenn Green Arrow diesmal teilweise ziemlich unsympathisch rüber kommt. Dafür ist der Joker am Start und das wertet bekanntlicherweise jede Batman-Story nochmals auf.



      Okt 1976 - The Brave and the Bold 130: Am Ende wartet der Tod
      Die direkte Fortsetzung zu den Klauen des Kaiseradlers macht exakt da weiter, wo der Vorgänger aufgehört hat. Das erinnert an die schönen Cliffhanger der Adam West Serie und lässt mich gleich nochmal so freudig weiterlesen. Außerdem wird mächtig aufgefahren! Da der Joker ja ein bösartiges Bündnis mit Two-Face eingegangen ist, hatte ich oben glatt unterschlagen, benötigen unsere Helden auch noch weitere Unterstützung. Vor allem, weil sich Arrow teilweise so seltsam besessen benimmt. So hat Batman dem Team noch weitere Unterstützung in Form von Atom verschafft. Jetzt kanns krachen beim sehr coolen Finale zu diesem beinahe schon epischen Zweiteiler. Schönes Ding!



      Dez 1976 - The Brave and the Bold 131: 7 Schritte bis zum Untergang!
      Endlich ist es so weit! Mit Catwoman trifft die Fledermaus in dieser Story zum ersten Mal im Rahmen der Aparo-Collection auf meinen weiblichen Lieblingscharakter aus Gotham City. Natürlich ist Selinas Charakter hier noch nicht in dem Rahmen entwickelt wie es später vermutlich mal sein wird und auch mit meiner bevorzugten filmischen Darstellung – Michelle Pfeiffer in Batmans Rückkehr – hat die Katzenlady hier noch nicht viel gemein. Selbst das Kostüm ist deutlich anders als erwartet, aber immerhin hat die Mieze ordentliche Raubkatzen als Helfershelfer am Start und ist selbst für Batman nicht ohne Unterstützung zu bezwingen. Wer wäre da besser geeignet als die allseits Beliebte Wonder Woman? Es ist also Damenfight angesagt!

      Ich mag die Katzenlady und auch wenn die Mischung aus Drogenschmuggel- und Spionagestory keine Innovationspreise gewinnt hat es Spaß gemacht ihr dabei zuzusehen, wie sie Batman das Leben ordentlich schwer gemacht hat.



      Feb 1977 - The Brave and the Bold 132: Batman, der Drachentöter?
      Richard Dragon ist der Kung-Fu Fighter! Ein Charakter, der mir gänzlich unbekannt war, aber in den 70ern auf der Bruce Lee-Welle scheinbar sogar eine eigene, kurzlebige Serie bekam. Der Gute wurde sogar in der New52-Ära in abgewandelter Form nochmals wiederbelebt.
      Hier wird er von dem Stylist, einem ebenfalls Kampferprobten Bösewicht zum Zweikampf gefordert, in den sich, aus Unwissenheit, unser dunkler Ritter einmischt. Das sorgt erstmal für böses Blut zwischen den beiden Helden, ehe sie sich im Laufe der Geschichte gegen den Auftragskiller, der von einem Diktator einer einsamen Insel entsandt wurde, zusammenschließen müssen.

      Das ganze Setting, die Storyteile, Actionszenen und und und, das ist alles sowas von 70er, das muss man einfach feiern! Und ja, ich liebe alte Kung-Fu Schinken! :D



      Apr 1977 - The Brave and the Bold 133: Eine andere Art von Gerechtigkeit!
      Die Jolly Marie war einst das schnellste Schiff in der Gotham Bay. Kein Boot der Küstenwache oder Polizei konnte sie schnappen, als der alte Oberboss Bannion in den 30er Jahren auf ihr seine Drogen nach Gotham schmuggelte (ganz neues Thema). Doch wie das unter Mafiosi so ist, er wurde von seinem bevorzugten Schützling verraten, ermordet, in der See versenkt und so wurde Achille Lazlo der neue Chef von Gothams Drogenmafia. Aber es ist ja hinreichend bekannt, dass einen die Vergangenheit immer einholt, so auch in diesem Fall. Auch wenn Batman mit reichlich Hilfe seines alten Freundes Deadman reichlich nachhilft!

      Ja, es geht mal wieder um Drogenschmuggel, aber Mann, der Einsatz von Deadman ist echt cool erklärt und mit dem alten Boot kommt wieder Seemannsgarn-Feeling auf und es bleibt spannend bis zum Schluss. Schöne Geschichte, die genau meinen Geschmack trifft.



      Mai 1977 - The Brave and the Bold 134: Demontage!
      Kalter Krieg (echt jetzt?) – Eine aufs Schärfste bewachte Brücke – Grenze zwischen Ost und West – Checkpoint Charlie, pardon, hier Checkpoint Mike genannt! Allen Ernstes! Ich habe schon ordentlich gegrinst, als dieses Setting auf der ersten Seite aufgebaut wurde. Auf jeden Fall schmuggelt sich Green Lantern auf die andere Seite, denn er will überlaufen, weil er sich bei den Amis nicht gut aufgehoben fühlt. Dem folgt dann Batman um ihn zu bekehren und schon bald finden beide heraus, dass Landesverrat keine gute Idee ist, denn auch den Überläufern wird vorerst nicht getraut und es wird zu rabiaten Mitteln zur Wahrheitsfindung gegriffen.
      Erniedrigungen aufs Schlimmste und brutale Folter. Dazu eine fragwürdige, pathetische Moral und fertig ist eine der übelsten Stories des Bandes. Als Zeitzeugnis interessant und auch gut gezeichnet, aber schlussendlich nicht wirklich toll.

      Hat jemand das Original und kann mal checken, ob das dort vielleicht wirklich Checkpoint Charlie war, oder wurden die Stories damals auch in den USA schon so angelegt, dass es nur „Fantasie“-Bezüge zu realen Orten und Ereignissen gibt?



      Jul 1977 - The Brave and the Bold 135: Mehr als ein Mensch!
      Die Metal Man haben sich in Werkzeuge und Schaufelbagger verwandelt und sind fleißig dabei eine Zeitkapsel auszugraben, die sich zufälligerweise genau zwischen den Hochhäusern von Bruce Waynes Rivalin Ruby Ryder und seinem Wayne-Tower befindet. Doch alle anwesenden staunen nicht schlecht, als sich plötzlich ein Mann mit übermenschlicher Stärke den Weg aus der Baugrube bahnt und behauptet er sei der Nachfahre und Erbe des Wissenschaftlers Dr. Thaddeus Morgan. Damit nicht genug, denn kurz darauf Bricht ein weiterer Humanoide gleichen Aussehens unter der Zeitkapsel hervor und zerlegt den ersten! Was es mit diesen abstrusen Begebenheiten auf sich hat erfahren wir zum Teil erst im nächsten Teil…



      Sep 1977 - The Brave and the Bold 136: Das Vermächtnis des Verdammten!
      Es wird immer wilder. Seltsamste Verwicklungen haben dazu geführt, dass der aus der Grube entsprungene Jason Morgan den Wayne Tower geerbt hat. Ruby Ryder hat dem wilden Halbneandertaler umgehend schöne Augen gemacht und ihn um den Finger gewickelt, womit sie nun alle Vorgänge im Wayne Tower dirigiert. Mit den Metal Man allein an seiner Seite kommt Bruce hier nicht weiter, nein Green Arrow muss mit ran, oder vielmehr Oliver Queen, denn der Playboy kann in diesem Fall vielleicht mehr ausrichten, als ein schneller Pfeil (außer vielleicht der Pfeil geht mitten ins Herz?).

      Noch eine doppelte Trashgranate mit vielen Wendungen und humorvollen Nebenfiguren. Dazu interessante Bösewichte und einfallsreiche Kämpfe. Ein schöner Abschluss eines insgesamt schönen Bandes.

      Es wird nie langweilig mit dem schicken Hardcover. Das ist zwar längst vergriffen, aber Panini hat ja zusätzlich noch ein inhaltsgleiches Softcover am Start, also alles kein Problem. Das Ganze ist erneut enorm abwechslungsreich, die klassischen Zeichnungen sind toll und versprühen den Charme vergangener Tage. Dieses besondere Flair ist es, das bei jeder Rückkehr zu einer Story dieser Sammlung ein kleines Lächeln auf die Lippen zaubert. Egal wie Naiv oder an den Haaren herbeigezogen die Grundidee manchmal auch ist. Was an Spannung oder schlüssigem Plot fehlt wird durch Humor, Trashfaktor und klassisch-cooles Artwork wieder wett gemacht. Für mich waren diesmal leider nicht ganz so viele Highlights dabei wie bei Nummer 2, aber Spaß macht das Ganze Teil trotzdem reichlich, vor allem auch, weil ich Batmans Team-Buddys mittlerweile doch schon besser kenne, als es noch beim ersten Band der Fall war.

      Meine Wertung: 7/10

      Hat echt wieder Spaß gemacht, aber dennoch hebe ich mir den vierten und letzten Teil der Aparo-Sammlung erstmal auf und mache die Tage mal einen Ausflug in ein Gotham ganz anderer Art.

      VG, God_W.
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      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von God_W. ()

    • Tom schrieb:

      Wieder mal eine erstklassige Rezension, danke !

      Leider habe ich den Band 3 noch nicht und da ich ihn gerne in HC hätte, damit er zu den anderen passt, wird das wohl auch noch dauern. Aber ich bleibe am Ball :)
      Ich hatte Glück und konnte die hier im Forum (zwar nicht billig aber zu sehr fairen Preisen) schießen. ;)
      :!: Ich freue mich immer über Besuch und netten Austausch in meinem Rezi-Thread :!:

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    • Paradiesischer Genuss? Höllisches Vergnügen? Oder nichts von alldem?



      Titel: Das verlorene Paradies: Band 3 - Paradies

      Verlag: Splitter (FR: MC Productions)

      Format: 48 Seiten im Hardcover/Albenformat

      Inhalt: Paradis perdu: Paradis

      Autoren: Anne Guéro; Gérard Guéro (beide zusammen = Ange)

      Zeichner: Alberto Varanda

      Klappentext bzw. Angaben des Verlags:
      Gabriel ist ein Engel, aber keineswegs der berühmte Erzengel, sondern nur ein unbedeutender 'Wächter', der eines der vielen Tore zwischen Licht und Dunkel bewacht. Außerdem hat Gabriel ein echtes Problem: er ist in die wunderschöne Dämonin Anya verliebt.

      Richtig kompliziert wird es, als er eines Tages einen Jungen namens Julien abfängt, der an der Schwelle zur Unterwelt umherirrt. Gabriel ahnt nicht, dass er damit buchstäblich Himmel und Hölle in Bewegung setzt. Die kosmische Ordnung gerät ins Wanken, denn alle sind hinter dem Kind her. Und Anya? Wird sie Gabriel helfen, den Jungen zu retten? Oder treibt sie ein doppeltes Spiel?



      Just my 2 cents:
      OK, der Zweite Band hat im Vergleich zum Ersten ein wenig geschwächelt, aber ich will selbstverständlich trotzdem wissen wie es weiter geht und meine Augen wieder von wunderschönen Zeichnungen verwöhnen lassen, die Albero Varanda in das große Hardcover-Album gepackt hat, welches Splitter hier wieder präsentiert. Mal schauen, was die Story so zu bieten hat.

      Die höllischen Horden sind los, allerdings nicht nur in der Hölle. Nein, auch im Himmel und auf der Erde toben die Schlachten. Uralte Mauern des Himmels und der Hölle zerbersten, irdische Straßenschluchten werden dem Erdboden gleichgemacht und es herrscht absolutes Chaos und Verzweiflung. Durch die Ruinen San Franciscos stolpert der Wächter Gabriel, wird Zeuge menschlichen Mutes, versucht selbst zu helfen und gleichzeitig einen Sinn zu erkennen. Nicht nur in dem was geschieht, sondern auch in seinem Handeln und dem Sinn und Zweck seiner Existenz.

      Derweil scheint die Dämonin Anya ihre Wahl getroffen zu haben. Sie will ihren Auftrag erfüllen, ist der Überzeugung, dass dies das Richtige ist, dass sie den kleinen Jungen, Julien, der von allen gejagt wird, auslöschen muss.
      Spoiler anzeigen
      Julien starb bereits bevor die Ereignisse in Band 1 überhaupt begonnen haben, das haben wir als überraschenden Twist am Ende des ersten Teils erfahren, doch allein der Tod genügt nicht…
      Nicht nur das, sie muss seine unsterbliche Seele zerstören, ein Unterfangen das weit grausamer von Statten geht als lediglich der Tod selbst. Sie muss ihm das wahre Gesicht des Bösen Zeigen, ihn in Angst und Schrecken versetzen und seine Seele bis zur vollständigen Zerstörung foltern. Doch der Junge selbst ist keineswegs so zerbrechlich und hilflos wie zuerst gedacht und Gabriel scheint endlich ebenfalls einen Entschluss gefasst zu haben und will fortan nicht mehr nur reagieren, sondern aktiv in das Geschehen eingreifen.



      Ja, ganz schlecht klingt das gar nicht, aber leider wird das alles zwar in spektakulären Bildern, aber leider ziemlich langatmig und verquast präsentiert. Es kommt einem so vor, als würden die Protagonisten Gabriel und Anya die meiste Zeit in hochtrabend anmutenden, inneren Monologen vor sich hin rätseln, was überhaupt vorgeht, was sie selbst tun sollten, wie ihre Bestimmung ist und dergleichen. Es werden philosophische Fragen aufgeworfen, es geht um die Macht der Liebe, der Seele, die Gleichheit von Gut und Böse und die Existenz selbst.

      Sorry, das ist viel zu viel gewollt auf 48 Seiten Comic. Selbst wenn man alle vier Bände nimmt bleibt für so etwas viel zu wenig Platz, wenn man erst im zweiten Band damit anfängt und leider ist das was davon rüberkommt noch nicht mal wirklich gelungen. Das mutet so extrem aufgesetzt an, kommt irgendwie schwafelig daher und nimmt aus der restlichen (leider dann auch relativ dünnen) Story so extrem das Tempo heraus, dass einem nur noch übrig bleibt die schönen Bilder zu bestaunen, denn das Interesse an den Charakteren sinkt leider stetig. Dennoch haben die letzten beiden Seiten, die in Paris spielen, mein Interesse darauf geweckt, wie es denn wohl ausgehen wird, aber eins kann ich jetzt schon ganz klar sagen: Sollte da nicht ein absoluter Knaller warten (ich denke da zum Beispiel an Drifter 4: Ruinen - Vorzugsausgabe, der die Reihe mit seinem gewaltigen WTF-Moment auf ein ganz neues Level gehoben hat), wird die Reihe vermutlich auf den Verkaufsstapel wandern sobald ich sie ausgelesen habe.

      Meine Wertung: 4/10

      Was soll ich sagen? Die 4 war aufgrund des Artworks, der erneut Interesse weckenden Finales und einiger cooler Schlachten auch nur ganz knapp erreicht. Außerdem sind mit Frisco und Paris zwei meiner Lieblingsstädte vertreten. Naja, mal schauen, was Band vier so bringt.

      VG, God_W.
      :!: Ich freue mich immer über Besuch und netten Austausch in meinem Rezi-Thread :!:

      :guitar: Just my 2 Cents :kette:

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    • So viele Jahre in der Zukunft und noch immer ist die Sklaverei nicht abgeschafft…



      Titel: Valerian & Veronique Gesamtausgabe 2 – Band 5: Die Vögel des Tyrannen

      Verlag: Carlsen Comics (FR: Dargaud)

      Format: 168 Seiten im Hardcover/Albenformat

      Inhalt: Das Land ohne Sterne; Willkommen auf Alflolol; Die Vögel des Tyrannen

      Autoren: Pierre Christin

      Zeichner: Jean-Claude Mézières

      Klappentext bzw. Angaben des Verlags:
      „Vor uns hatte niemand Abenteuer wie diese erzählt. In dieser Serie ist einfach alles möglich, und jedes neue Album bringt uns dorthin, wo wir es wollen.“ - Jean-Claude Mézières

      „Science-Fiction ist eine wunderbare Möglichkeit, der Wirklichkeit zu entfliehen.“ – Pierre Christin

      Dieser Band enthält die Abenteuer "Das Land ohne Stern", "Willkommen auf Alflolol" und "Die Vögel des Tyrannen". Dazu gibt es eine Einleitung mit Informationen zu den einzelnen Geschichten und ein Vorwort von Stan Barets. Abgerundet wird der Band durch eine Zeitleiste, auf der alle Abenteuer von Valerian und Veronique eingeordnet sind.



      Just my 2 cents:
      Ein wildes Gewässer, bestehend aus einer klebrigen Flüssigkeit, reißende Strömungen inclusive. Auf einem ebensolchen finden sich Valerian und Veronique wieder, zum Glück noch in einem Rettungsboot. Sie waren auf einer Art Rettungsmission. Sie sollten das Verschwinden verschiedenster Raumschiffe aufklären und etwaige Überlebende retten, als sie selbst in den Sog eines unbekannten Asteroiden gerieten und von einem Blackout heimgesucht wurden. Zum Glück waren die beiden auf Schwierigkeiten vorbereitet und konnten sich nach dem Absturz gerade noch auf ihr Boot retten. Den vielen vermissten Schiffen erging es wohl noch weit schlechter, denn es ist ein wahrer Raumschiff-Friedhof, an dem sie auf dem Weg zum Wasserfall vorbeigetrieben werden.

      Moment, Wasserfall? Oh ja, den stürzen unsere Helden hinunter und werden von Strudeln in der dicklichen Flüssigkeit in die Tiefe gezerrt. Dort verfangen sie sich in dichten Algen und ihr Ende scheint besiegelt. Doch in letzter Sekunde stoßen riesige Greifarme herab und ernten riesige Algenbündel ab, in denen Glücklicherweise auch die beiden Raum-Zeit-Agenten festhängen. An der rettenden Frischluft angekommen finden sich die Beiden auf einem altertümlich anmutenden Segelschiff wieder, dessen Mannschaft aus einem zusammengewürfelten Haufen verschiedenster Spezies besteht. Schnell wird klar, dass es sich um die Überlebenden der Mannschaften verschiedenster auf dem Asteroiden abgestürzter Raumschiffe handelt.

      Zeit für lange Erklärungen bleibt leider nicht. Valerian und Veronique erfahren nur so viel, als dass sie sich fortan in den Diensten des Tyrannen befinden und für ihn Frondienste zu leisten haben, wie zum Beispiel das Ernten von Algen. Gerade als sie um weitere Informationen bitten wollen verfinstert sich der Horizont. Immer nähe kommt die dunkle, bedrohliche Wolke, bis sich der Himmel über dem Schiff verdunkelt und zwar durch einen riesigen Schwarm schreiender schwarzer Vögel. Mit Hilfe derer verbreitet der mysteriöse Herrscher Angst und Schrecken und hält seine Sklaven in Schach. Für Agenten-Team ist klar, sie müssen die Sklaven befreien und fliehen, doch das stellt sich als äußerst schwieriges Unterfangen heraus, denn bei den Unterjochten zeigen sich seltsame, psychische Symptome…



      Nachdem mich die vorherige Geschichte auf dem Planeten Alflolol nur teilweise überzeugen konnte bin ich von den Vögeln des Tyrannen richtiggehend überrascht worden! Kein aufgesetzter oder deplatziert wirkender Humor, dafür fesselnde Spannung und mysteriös bedrückende Atmosphäre bilden mit den fantasievollen, aber streckenweise auch düsteren Bildern eine dichte Melange wie ich sie bei der bislang relativ „locker, luftigen“ Sci-Fi-Reihe nicht erwartet hätte! Wirklich eine Überraschung und willkommene Abwechslung! Dazu die intensive Einbindung dieses psychologischen Aspektes bei den Sklaven macht das Ganze sogar ein Stück weit verstörend und verleiht diesem Band eine Intensität, wie ich sie in der Reihe bislang noch nicht empfunden habe.

      Das war also die letzte Geschichte im zweiten Sammelband der Gesamtausgabe, die von Carlsen ordentlich aufgemacht präsentiert wird. Im direkten Vergleich finde ich es zwar schade, dass Yoko Tsuno ein Lesebändchen spendiert bekam und die beiden Agenten nicht, aber das interessiert außer mir vermutlich nur die Wenigsten. Hinten im Band findet sich dafür wieder die schöne Zeitleiste zur Einordnung der Abenteuer und das nächste, dann im dritten Band der Gesamtausgabe, freue ich mich schon ungemein, denn die diente neben Reich der tausend Planeten ebenfalls als Vorlage für das böse gefloppte Kinoabenteuer unsrer Helden. Ich bin gespannt! Die Vögel des Tyrannen aber zählen für mich vollkommen zu Recht zu den Klassikern der Reihe, und nein, nicht nur weil man Veronique im Evakostüm zu sehen bekommt. ;)

      Meine Wertung: 8/10



      Ich bin jetzt mit dem Sammeln der Bände noch nicht so weit, aber laut Angaben auf verschiedenen Webseiten hat der letzte Band der Gesamtausgabe ein anderes Format. Ist das richtig? Wenn ja – Wieso denn bloß?!?

      VG, God_W.
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    • Im Finale schlägt der Menschheit eine Schicksalsstunde…



      Titel: Das verlorene Paradies: Band 4 - Erde

      Verlag: Splitter (FR: MC Productions)

      Format: 48 Seiten im Hardcover/Albenformat

      Inhalt: Paradis perdu: Terres

      Autoren: Anne Guéro; Gérard Guéro (beide zusammen = Ange)

      Zeichner: Alberto Varanda

      Klappentext bzw. Angaben des Verlags:
      Gabriel ist ein Engel, aber keineswegs der berühmte Erzengel, sondern nur ein unbedeutender 'Wächter', der eines der vielen Tore zwischen Licht und Dunkel bewacht. Außerdem hat Gabriel ein echtes Problem: er ist in die wunderschöne Dämonin Anya verliebt.

      Um sie und den kleinen Julien zu schützen, rebelliert Gabriel im Paradies und setzt damit buchstäblich Himmel und Hölle in Bewegung. Die kosmische Ordnung gerät ins Wanken, denn alle sind hinter dem Jungen her, der scheinbar über göttliche Macht verfügt. Aber hat Julien wirklich eine Chance, Satan zu besiegen?

      Die Auflösung könnte der Fantasie des Philosophen Feuerbachs entsprungen sein. Ange und Xavier beenden ihre Version der Apokalypse mit fesselnder Dynamik.



      Just my 2 cents:
      Jetzt bin ich ja doch gespannt, ob das Finale die Reihe, die so interessant begann und dann einen stetigen Abstieg hingelegt hat, noch retten kann, oder alles im Einheitsbrei versinkt. Deshalb auch gar kein langes Geschreibsel, denn die Ausstattung ist natürlich zu den ersten drei Bänden identisch und Splitter-typisch hochwertig.

      Auf der Erde ist die Hölle los, also im wahrsten Sinne des Wortes, denn auf den Straßen von Paris tobt eine Schlacht, wie sie die Menschheit noch nicht erlebt hat, und die ihre letzte sein könnte. Vor einiger Zeit hätte ich das grandiose Artwork der ersten Doppelseite sowas von abgefeiert, heute ruft der Anblick der in Flammen stehenden Notre Dame de Paris einige wehmütige Erinnerungen hervor. Dennoch ist der Krieg zwischen Dämonen und Menschen, der sich mitten unter uns ausbreitet eine wahre Augenweide. Die Passagen zu den Himmelspforten sind ebenso offen wie die in die höllischen Tiefen und dazwischen steht die kleine Menschheit und kämpft ums nackte Überleben. Mitten in diesem Chaos ist der von allen gejagte Julien mit seiner Mutter unterwegs und fighten ums nackte Überleben.

      Das Chaos um die beiden wird ständig von Backflashs, Szenensprüngen und mysteriösen Einwürfen unterbrochen und mit der Zeit wird klar, sowohl Gott, als auch der Belzebub selbst ringen um die Gunst des kleinen Jungen, denn dieser besitzt eine ungeahnte Macht, die er selbst noch gar nicht entdeckt hat. Je nachdem, wann er diese Kraft entdeckt und wie er sie einsetzt wird das Schicksal der Welt in ganz neue Bahnen gelenkt. Weitab dieser Ereignisse kämpft ein rebellischer Engel um den Erhalt der Dinge, an die er glaubt und um das, was für ihn immer bedeutender wird: Die Liebe.



      Zugegeben, es geht in diesem finalen Band sowohl was die Story, als auch die Action angeht deutlich stringenter vorwärts als es bei den beiden vorangegangenen Ausgaben der Fall war. Dennoch bin alles andere als begeistert, mal abgesehen vom wirklich monumental wirkenden Artwork! Diese ganzen philosophisch eingestreuten Ansätze und Fragestellungen erreichen hier wahrlich einen Höhepunkt, den ich leider als extrem aufgesetzt und oberflächlich empfinde. Nichts gegen Philosophie, tiefere Gedankengänge, erörtern komplexer Fragestellungen und dergleichen, aber in diesem Fall hat das wirklich einen sehr faden, dumpfen Nachgeschmack. Da wird man nicht zum Denken oder ziehen eigener Schlüsse bzw. Entwickeln eigener Ansichtsweisen herausgefordert, nein. Es wird nach einer ermüdend hohen Anzahl hochtrabender, ultragewichtiger Psychoschwafeleien
      Spoiler anzeigen
      die Liebe als Lösung aller Probleme präsentiert und festgestellt, dass Dasein und Existenz in einem ewigen Kreislauf stattfinden, womit wir am Ende gleichzeitig auch wieder am Anfang stehen.
      Somit wirkt das Resümee für mich eher kindlich, fast schon kindisch, statt philosophisch.

      Puh, da komme ich mir ja vor wie bei der X-ten Crisis von irgendwas oder dem 46sten Neustart ganzer Heldenuniversen. Möglichst hochtrabend und unheilschwanger was auf die Seiten geklatscht, was hinterher wieder vollkommen negiert wird. Ja, dieses letzte Teilstück zum Ende war recht kurzweilig, da ist einiges passiert und die, leider auch zu blassen, Charaktere haben alle ein Ziel erreicht. Dazu das überragende Artwork, das ich auch während dem Schreiben dieser Zeilen immer mal wieder gerne durchblättere. Dennoch versinkt die komplette Reihe in einem sehr durchschnittlichen Einheitsbrei mit deutlich überdurchschnittlichen Zeichnungen und mindestens ebenso deutlich unterdurchschnittlicher Story, Dramaturgie und Charakterzeichnung. Schade, hätte echt was werden können.

      Meine Wertung: 5/10

      Ja, viele würden vielleicht noch weniger Punkte geben, aber durchschnittlicher Einheitsbrei liegt bei mir eben bei 5, erst wenn’s kacke wird sinkt mein Barometer tiefer und richtig kacke war es insgesamt gesehen ja nicht.

      VG, God_W.
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    • Nicht erst seit John Wick werden Hunde gekillt…

      ACTIONKINO am Freitagabend (Nr. 32)



      Titel: Frank Miller’s Sin City 5 – Familienbande

      Verlag: Cross Cult (US: Dark Horse)

      Format: 126 Seiten im kleinformatigen Hardcover

      Inhalt: Frank Miller’s Sin City 5: Family Values

      Autoren: Frank Miller

      Zeichner: Frank Miller

      Klappentext bzw. Angaben des Verlags:
      "Jede einzelne Kugel, die ich auf den Fahrer abfeuerte, schlug ihm ein Loch in den Wanst. Meine Hand war verdammt ruhig. Ich war Wyatt Earp." "Bloß, dass Wyatt Earp keine Maschinenpistole hatte."

      Sin City droht ein Bandenkrieg. Die dunkle Vergangenheit kommt ans Tageslicht und ein Mord wird aufgedeckt, der dem Paten von Sin City gar nicht schmeckt. Aber was hat Dwight damit zu tun, der den Nutten aus der Altstadt noch einen Gefallen schuldet? Eins ist klar: Für Dwight und Miho, die stumme Killerin, wird es eine lange Nacht zwischen allen Fronten ...

      FAMILIENBANDE ist der fünfte Band der Serie und greift die Ereignisse aus DAS GROSSE STERBEN wieder auf.

      Dieser Band markiert den Abschied von Millers gewohnter Arbeitsweise: dem Erzählen in Fortsetzungsgeschichten. Denn dieses Epos strömte auf einmal aus seiner Feder. und man kann kaum anders, als es auch auf einmal zu lesen! Familienbande ist ein Meilenstein in Millers Werk, der es ihm ermöglichte, diese klassische Story voller Entschlossenheit und Rache genauso zu erzählen, wie er es wollte. Lernt die tödliche Miho kennen, die auf Roller Skates unterwegs ist, und Dwight, den das Adrenalin antreibt. Diese Geschichte aus der Stadt ohne Erbarmen darf man nicht verpassen.

      SIN CITY wurde von Frank Miller und Robert Rodriguez mit einem Ensemble von Hollywood Top-Stars verfilmt. Bild für Bild und Dialogzeile für Dialogzeile wurden auf die große Leinwand übertragen. Die wohl direkteste, mutigste und faszinierendste Verfilmung einer Comicvorlage, die es je gab.



      Just my 2 cents:
      Dwight schuldet den Bordsteinschwalben aus der Altstadt noch einen gefallen. So kommt es, dass er an diesem finsteren in Sin City unterwegs zu einem Diner ist. Einem Tatort, an dem er nur noch eine Armee von Einschusslöchern und tödliche Verwüstung vorfindet, denn die Musik hat bereits in der vorangegangenen Nacht ausgespielt. Mit der tödlichen Samurai-Killerin Miho im Schlepptau will er sich lediglich einen Überblick über den Tathergang verschaffen. Eine neugierige Polizistin weiß er – äußerst elegant – loszuwerden, dann geht’s weiter in die nächste Bar. Irgendjemand muss doch wissen, wer für die Sauerei in dem Diner verantwortlich ist.

      Perfekt, ein paar Drinks lösen die Zunge einer abgehalfterten, alkoholsüchtigen Nutte und Dwight hört alles, was er hören muss. Es geht um ganz hohe Tiere. Um Gangster, die Politiker wurden. Skrupellose Mistkerle, die vor nichts zurückschrecken. Und – wie so oft – um Menschen, die sich mit den falschen Individuen einließen und schließlich zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Um erbarmungslose, erbitterte, dem Wahnsinn nahe reichende Blutrache. Doch was haben die Mädels aus der Altstadt mit alldem zu tun? Und welche Rolle spielt der alte Streuner, der Hund, der immer hoffte, dass im Diner ein Happen für ihn abfällt?

      Ein neuer Trip nach Sin City, ein neuer Trip in die ultracoole und abgrundtief böse und korrupte Welt von Frank Miller. Ich werde nicht müde diese Reihe zu feiern. Es wird nicht langweilig, es nutzt sich nicht ab, es wirkt nicht ausgelutscht oder an den Haaren herbeigezogen. Nein, man kauft es diesen knallharten Boys & Girls einfach ab, dass es in ihrer Welt nicht großartig zählt, wenn man von einem Cadillac überfahren, oder mit dem Griff einer Knarre aufs Übelste verprügelt wird. Die sind einfach härter als wir, cooler als wir und die Damen, die dort am Start sind, sind allesamt ebenso taff und ultra sexy.



      Man muss diese Welt einfach lieben, die in Millers oft plakativem und so manches mal minimalistischem Noir-Stil auf die Seiten gebannt wird. Neben der spannenden und blutigen Rachestory mit sehr cooler, wenn vielleicht auch nicht ultrainnovativer Auflösung finde ich die Charaktere einfach zum Niederknien. Da wird mal schnell auf wenigen Seiten die Lebensgeschichte einer gealterten Prostituierten so greifbar ins Bild gerückt, dass man beinahe glaubt die Frau und ihre Probleme zu kennen. Nur wenige Panels bekommt die Polizistin, bei der ich direkt weiß, dass sie eine enorm harte Lady sein muss, wenn sie in dieser Stadt Dienst tut! Ihr interessanter Auftritt wird dermaßen humorvoll aufgelöst, dass ich sogar laut lachen musste!

      Das sind nur zwei kleine Beispiele für die meisterhafte Erzählkunst, die Miller erneut an den Tag legt und einziger kleiner Wehrmutstropfen ist der geringe Umfang des, wieder schick und wertig gestalteten Hardcovers. Das Finale geht mir tatsächlich etwas zu schnell, wohingegen sich die tödliche Miho mit einem Kleingangster im Mittelteil meines Erachtens etwas zu viel Zeit lässt. Winzige Kritikpunkte bei denen ich sagen muss: Lieber so als elendig sinnlos in die Länge gezogen!

      Meine Wertung: 9/10

      Der nächste Ausflug in die Stadt der Sünde kommt bestimmt und meine Begeisterung ist weiterhin ungebrochen! So langsam werde ich schon traurig, dass ich nur noch zwei Freitage in Basin City verbringen kann, mal schaun, was ich mir danach vornehme.

      VG, God_W.
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      :guitar: Just my 2 Cents :kette:
    • Wer oder was ist ein Wildstorm? Hat hoffentlich nix mit Shitstorm zu tun…



      Titel: Point Blank

      Verlag: Cross Cult (US: WildStorm Productions / DC)

      Format: 144 Seiten im kleinformatigen Hardcover

      Inhalt: Point Blank #1-5 (komplett)

      Autoren: Ed Brubaker

      Zeichner: Colin Wilson

      Klappentext bzw. Angaben des Verlags:
      Das Prequel zu Ed Brubakers hochgelobter SLEEPER-Saga!

      Cole Cash will nur ein paar Bier trinken mit seinem alten Kumpel John. Aber John kommt nicht ... John liegt auf der Straße in seinem eigenen Blut, nicht tot, aber fast.

      Cole Cash macht sich auf die Suche nach den Schützen. Und stößt dabei auf den Superverbrecher Tao und seine mächtige Geheimorganisation, die vom Drogenhandel bis zur Weltpolitik alles regelt. Und er trifft Holden Carver, einen wichtigen Mann in den Rängen von Taos unsichtbarem Reich. Cole Cash erhält Einblick in eine Welt, die er niemals sehen wollte. Nur eins findet er nicht: Johns Mörder.

      POINT BLANK ist der Prolog zur hochgelobten Serie SLEEPER (kann aber auch für sich allein stehend gelesen werden). Von Ed Brubaker ( X-MEN, CRIMINAL) und Colin Wilson (DIE JUGEND VON BLUEBERRY, STAR WARS).



      Just my 2 cents:
      Ich war mal wieder auf der Suche nach einem Krimi, Action-Thriller oder etwas in der Richtung und wurde durch einige positive Stimmen und Rezensionen, hier und im Comicforum, auf Kill or be Killed aufmerksam. Auf meine direkte Nachfrage gab es dann schnell ein wenig Gegenwind. Also Gegenwind ist vielleicht falsch, denn alle waren sich einig, dass Kill or be Killed ziemlich gut ist, aber das Duo Brubaker/Phillips hätte auch schon weit Besseres abgeliefert. Allen voran Criminal, was mittlerweile wohl beinahe schon als Genre-Klassiker gilt. Criminal sammle ich mir gerade zusammen, was aber auch angeführt wurde und mir zufällig in den Schoß gefallen ist, war mit Sleeper ein weiteres Werk des Teams. Nach kurzer Recherche wurde ich schnell darauf aufmerksam, dass es dazu wiederum auch noch eine Vorgeschichte gibt: Point Blank, welches zwar nicht in Zusammenarbeit mit Phillips entstand, um das es heute aber trotzdem gehen soll.

      Ihr seht, so schnell kommt man von der Lust nach einem kleinen Krimi über eine abgeschlossene, vierbändige Comicreihe zu drei kompletten Werken nebst Vorgeschichte mit insgesamt 15 Bänden, denn Kill or be Killed kommt mir natürlich auch noch ins Haus. Jetzt aber zu Point Plank, welches Cross Cult in einem handlichen kleinen Hardcover präsentiert, das die verlagstypische, hohe Qualität aufweist und neben den Original Covern noch einige interessante Extras mit sich bringt, zu denen ich aber später nochmal komme.

      Wie kam es dazu, dass Cole Cash jetzt in einer kalten Pfütze mitten auf einem Schrottplatz kniet und eine Knarre an den Hinterkopf gedrückt bekommt? Um das zu erfahren geht es nach den ersten zwei Seiten erstmal 10 Tage zurück. Cole sitzt im Domino, einer Bar mit recht spezieller Klientel, sogenannten „Überwesen“. Cole selbst wird von Stammkunden „Grifter“ genannt, was ja auch schon wieder eher nach einem Superhelden klingt, als nach einem Allerwelts-Normalo. Alles etwas seltsam, aber jetzt wartet Cole erstmal auf seinen alten Kumpel, oder vielmehr Teampartner Lynch. Den hat er vor Kurzem nach langer Zeit mal wieder getroffen, was uns in einer erneuten Rückblende genauer erzählt wird.



      Ab jetzt wird es richtig interessant, denn wir erfahren, dass die beiden Haudegen einst zusammen in der Sondereinheit „Team 7“ tätig waren. Die Mitglieder dieser Spezialeinheit wurden seitens der Regierung Experimenten mit dem sogenannten Gen-Faktor unterzogen und entwickelten besondere Kräfte. Allerdings sind die „Superheldentage“ der beiden lange vorüber, das Team aufgelöst und Cole will mit ihrem ehemaligen Arbeitgeber „I.O.“ nichts mehr zu tun haben. Lynch jedoch hat mit der Vergangenheit noch nicht abgeschlossen und benötigt Coles Hilfe um an Informationen zu gelangen. Er ist einer Verschwörung von enormer Tragweite auf der Spur, will Cole aber keine Details verraten, um ihn nicht zu gefährden.

      Cole lässt sich überzeugen und steht seinem Buddy fortan bei kleineren Missionen bei. Doch selbst er ist überrascht und ein Stück weit schockiert, als Lynch seine gefährlichen telepathischen Kräfte zur Zeugenbefragung einsetzt. Das schwächt ihn immer ungemein und macht ihn eine Zeitlang quasi zur hilflosen Zielscheibe, deshalb hat er Cole also als eine Art Schutzengel engagiert. Leider geht das nicht allzu lange gut, denn diesmal wartet Cole vergeblich im Domino auf seinen alten Freund, der liegt nämlich mit einem Kopfschuss eine Querstraße weiter im Dreck. Klar, dass Cole jetzt auf eigene Faust ermittelt und spätestens, als er durch ein schillerndes Portal auf dem Dach eines Nebengebäudes zur Transamerika Pyramide (mein absolutes Lieblingsgebäude in San Francisco) landet wird klar, dass die Sache noch viel geheimnisvoller ist, als bisher angenommen.

      Ja sehr cool, was man von Ed Brubaker hier geboten bekommt! Die Mischung aus klassischem Noir-Krimi mit diesen kleinen, wohldosierten Superwesen-Anklängen funktioniert perfekt und versprüht einen unverbrauchten, aber dennoch klassisch-schmutzigen Charme. Geheime Regierungs-Experimente, Verfolgungsjagden, Verhöre, Superverbrecher, brutale Shoot-Outs und das alles teilweise auch noch in einer meiner absoluten Lieblingsstädte, San Francisco. Dazu der verschachtelte Erzählstil, bei dem sich sowohl die Story, als auch die Welt in der sie spielt erst nach und nach erschließt und man schön am Rätseln und Mitdenken gehalten wird, das konnte mich doch schon sehr begeistern.



      Damit kommen wir auch gleich zum nächsten Punkt, ein Aspekt, weshalb viele Leser von den Übernatürlichen Aspekten vielleicht gar nicht so überrascht waren wie ich: Weder kannte ich vorher WildStorm, noch war mir bewusst, dass unter dem Label Anfang der 90er ein ganzes Universum entstanden war, in dem die ganze Chose spielt. Umso überraschter war ich, am Ende des Buches einige äußerst informative Bonusseiten mit dem Titel Geheimakte Wildstorm zu finden, durch welche mir diese ganze Welt und ihre Entstehung ein Stück weit offenbart und nähergebracht wurden. Einen kleinen Berührpunkt hatte ich sogar schon mal, bei Alan Moores Cross-Over zwischen den WildC.A.T.S. und Spawn: Spawn/WildC.A.T.S.. Grundsätzlich habe ich als Spawn-Leser natürlich schon etwas von der damaligen kleinen Revolution im Business mitbekommen, aber wie das alles zusammenhängt und was in welcher Reihenfolge daraus entstand war mir in der Form noch nicht wirklich bewusst. Aber an alle, die das Wildstorm-Universum nicht kennen: Point Blank kann man problemlos ohne Vorkenntnisse lesen und macht durch die anfängliche Rätselhaftigkeit der Welt so vielleicht sogar noch einen Tick mehr Spaß.

      Das lässige Artwork, vor allem die Charaktere mit ihren leicht zerzausten Haaren und dem oftmals schief gelegten Kopf mit dem extrem coolen Blick von unten Heraus in die „Kamera“ ist mir sofort positiv aufgefallen. Gerade auch solche Settings wie heimelige Spelunken, düstere Straßenecken und Hafengebiete wirken sehr authentisch und das immer stimmige Spiel mit Licht und Schatten lässt mich leicht über den ein oder anderen detailarmen Hintergrund hinwegsehen. Man hat ja nicht immer alles in der Birne, vor allem nicht ganz vorne parat, aber jetzt beim Schreiben kam mir doch so eine Ahnung, wo ich etwas Ähnliches schon mal gesehen, und sogar beschrieben habe. BINGO, der gute Colin Wilson hat auch den mindestens ebenso stimmigen Action-Thriller Blei im Schädel – 1. Kleine Fische an der Seite von Matz auf Franko-Belgische Seiten gebracht. Sehr schön, wenn man sich unter so glücklichen Umständen wieder trifft!

      Meine Wertung: 8/10

      Und für den starken Twist am Ende hätte ich beinahe sogar noch einen Punkt mehr gegeben! Ich freue mich jetzt außerordentlich auf Sleeper und kann mir schon denken, wer denn da die Hauptrolle inne haben wird, denn gegen Ende von Point Blank wurde ein sehr spannender Charakter eingeführt, auf den die Bezeichnung passen könnte…

      VG, God_W.
      :!: Ich freue mich immer über Besuch und netten Austausch in meinem Rezi-Thread :!:

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