Just my 2 cents - Kurzreviews von God_W.

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    • Hit-Girl und Kick-Ass verteilen Arschtritte – zum letzten Mal?

      ACTIONKINO am Freitagabend (Nr. 29) - Sonntagsedition



      Titel: Kick-Ass Runde 2: Mark Millar Collection 5

      Verlag: Panini (US: Millarworld)

      Format: 364 Seiten im Hardcover

      Inhalt: Hit-Girl #1-5; Kick-Ass 3 #1-8

      Autoren: Mark Millar

      Zeichner: John Romita Jr.

      Klappentext bzw. Angaben des Verlags:
      Sie kann eine komplette SWAT-Einheit auf die Bretter schicken, eine Bombe aus Spülmittel basteln und hat bereits Dutzende Kriminelle getötet. Doch jetzt hat Hit-Girl einen Gegner gefunden, der sie ins Schwitzen bringt: ihre neuen Klassenkameradinnen! Wird es die erbarmungsloseste Superheldin von allen schaffen, ihr unvorhersehbares Leben zwischen Trainingseinheiten mit Kick-Ass und Zankereien in der Mensa unter Kontrolle zu bringen? Dieser gewaltigen Geschichte folgt das dritte und letzte Kapitel der Kick-Ass-Saga mit dem Abschluss der knallharten Abenteuer des wohl unwahrscheinlichsten Superhelden aller Zeiten und seiner nicht minder skurrilen Kampfgefährten. Die beiden Miniserien HIT-GIRL und KICK-ASS 3 in einem grandiosen Gesamtband von Star-Autor Mark Millar und Top-Zeichner John Romita Jr.

      Die MARK MILLAR COLLECTION versammelt erstmals die größten Erfolge aus der Feder des Comic-Wunderkinds Mark Millar in edlen Hardcover-Sammelbänden mit jeweils umfassendem Bonusmaterial.



      Just my 2 cents:
      Auch wenn ich den Wälzer bereits am Freitag beendet habe bin ich aus verschiedensten Gründen diese Woche etwas später dran. Immerhin waren die Gründe zumeist positiv, wie netter Besuch, Urlaubsfotos sichten und Spieleabend mit Freunden, also alles im grünen Bereich und wie heißt es so schön? Besser spät als nie.

      Nachdem Panini in Runde 1 die ersten beiden Kick-Ass Teile versammelt hatte gibt es diesmal den „Bauchschuss“ Hit-Girl, der zwischen den ersten beiden Kick-Ass-Bänden spielt, bevor wir in Kick-Ass 3 zum großen Finale kommen. Verpackt sind die insgesamt 13 Hefte wieder in einem mächtig fetten Hardcover, welches sich nahtlos in die schicken Veröffentlichungen aus der Mark Millar Collection einreiht. Mit kurzen Einleitungen von Matthias Korn und Jeff Wadlow wird mir nach dem etwas schwächeren zweiten Kick-Ass-Teil wieder richtig Lust auf die Welt des selbsternannten Superhelden gemacht, sind die beiden doch voll des Lobes. Schauen wir mal, ob ich auch so begeistert war. Außerdem sind ein ganzer Schwung Cover und Variant-Cover an Bord und die Macher selbst, Mark Millar und John Romita Jr. Lassen ein paar Worte des Dankes verlauten. Sehr nette Geste, in der die Jungs auch echt sympathisch rüberkommen. Nach der ersten Runde hatte ich mir mal wieder die beiden Kinoadaptionen zu Gemüte geführt und bin jetzt doch ein Stück weit gespannt, wie Millar die Story um Dave Lizewski zu Ende gesponnen hat, bevor es so weit ist steht aber erstmal eine junge Dame im Rampenlicht.



      Hit-Girl
      Die Gangster verprügeln und töten nach und nach jeden im Heldenkostüm, den sie auftreiben können und versuchen aus den Möchtegern-Helden die wahre Identität von Kick-Ass herauszuquetschen. Hatten wir schonmal? Klar, immerhin spielt Hit-Girl ja zwischen Kick-Ass 1 und 2. Mindy McCready, alias Hit-Girl, lebt jetzt bei ihrer Mutter und ihrem neuen Mann, dem liebevollen Stiefvater Marcus, seines Zeichens einer der wenigen unbestechlichen Cops der Stadt. Die kleine Mindy hat es echt nicht leicht. Sie versucht die Trauer um ihren Vater zu verarbeiten, sich in eine neue Familie zu integrieren und gleichzeitig mit der normalen und realen Welt in der Schule klar zu kommen.

      Ganz schön viel auf einmal und nicht in allen dieser Disziplinen ist sie ein Naturtalent. „Schuld“ daran ist zum Teil natürlich die ganz besondere Art der Erziehung, die die jüngste Superheldin der Welt genossen hat. Einige Einblicke in die echt krasse Kindheit der kleinen Splatter-Granate werden in den häufig eingestreuten Rückblenden offenbart und sind stets irgendwo zwischen absolut schockierend und unglaublich böse/abgedreht/lustig angesiedelt. Zwischen all diesen neuen Herausforderungen hilft es ihr ein Ziel zu haben, mit dem sie umgehen kann, etwas das sie kennt – und das ist gnadenlose, blutige Rache. Nebenbei hat sie aber auch noch ein ganz besonderes Projekt ins Auge gefasst, das Training eines neuen Sidekicks, Dave Lizewski alias Kick-Ass soll ihr neuer Verbündeter sein und zwar nicht nur im Kampf gegen das organisierte Verbrechen, sondern im Gegenzug für ihr knallhartes Training soll er ihr beibringen, in der gnadenlosen Welt der Schulhofzicken zu bestehen, ein Vorhaben das für so manchen Schmunzler sorgen wird…

      Nach dem doch deutlich schwächeren zweiten Band von Kick-Ass haut Mark Millar hier wieder echt einen raus. Mindy ist meiner Meinung nach einfach der viel spannendere, weil vielschichtigerer Charakter verglichen mit Kick-Ass selbst. Den kleinen Wirbelwind auf der Reise von der knallharten Killer-Göre hin zu einem normalen Mädchen (oder zumindest dem Versuch dabei) zu begleiten ist einfach eine enorm unterhaltsame Freude und wird zu keiner Sekunde langweilig. Dazu die hammerharten Rückblenden, die Perfektion mit der die Story zwischen die beiden Kick-Ass Bände gepuzzelt wurde und auch die Weiterentwicklung der anderen Charaktere wie Kick-Ass, vor allem aber auch vom Motherfucker, der ja auch seinen Paps verloren hat verbinden das Ganze zu einem äußerst stimmigen Ganzen, dass mindestens wieder auf dem Niveau von Kick-Ass 1 angesiedelt ist, wenn nicht sogar knapp darüber.



      Kick-Ass 3
      Hit-Girl sitzt im Hochsicherheitsgefängnis und verschleißt einen Psychiater nach dem Anderen während Kick-Ass und seine Heldentruppe für den von Mindy im Vorfeld bereits geplanten Rettungsversuch trainieren. Als es dann wirklich ernst wird bekommen die Pseudo-Helden allerdings schnell kalte Füße, vermasseln alles und suchen schleunigst das Weite. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben reden sie sich ein und nehmen sich vor es irgendwann erneut zu probieren. Doch dabei bleibt es vorerst, denn eigentlich fehlt allen irgendwie der Mut und vor allem der Antrieb, den ihnen Hit-Girl stets gab. Im Headquarter haben sich Schmarotzer eingenistet, die die Porto-Kasse plündern und den Rest ausnutzen, aber selbst das kümmert Kick-Ass nicht wirklich, denn der hat seine erste große Liebe gefunden und kommt kaum aus dem Bett mit ihr raus. Über die ersten sexuellen Freuden vergisst er seine Kameraden fast gänzlich, wer kennt das nicht?

      Schlimmer geht’s kaum denkt man sich, bis Rocco Genovese auf den Plan tritt, der letzte Überlebende der Genovese-Brüder und somit auch der letzte Onkel von Chris Genovese alias Motherfucker. Der Schlächter, der seine Gegner gerne mit einem goldenen Eispickel ausschaltet ist der brutalste, blutrünstigste und schlimmste der ganzen Familie, weshalb er vor Jahren zurück nach Sizilien deportiert wurde. Jetzt ist er wieder da um die Führung zu übernehmen, und zwar nicht nur in der Stadt, sondern an der ganzen Küste, wo er plant alle Verbrecherclans unter sich zu vereinen. Unterstützt wird er dabei von einer ganzen Truppe korrupter Polizisten, die Mindys Stiefvater Marcus mehr und mehr auf die Pelle rücken. Es wird blutig, brutal und tödlich und die Lage spitzt sich mehr und mehr zu als ein „Superheld“ nach dem Anderen umgebracht wird. Es wird Zeit etwas dagegen zu unternehmen…

      Ein krasses, brutales, aber auch äußerst befriedigendes Finale, dass Autor Millar und Zeichner Romita Jr. Hier auf die Seiten geballert haben. Trotz der Unmenge an witzigen und übertriebenen Verweisen auf Comics, Superhelden und Popkultur wirkt Kick-Ass 3 für mich ein wenig so, als wäre die Reihe erwachsen geworden. Viele Probleme der Charaktere sind wieder in der wirklichen Welt verankert und sehr nachvollziehbar, auch wenn die Lösungen dafür natürlich oftmals mit ordentlich Anlauf in die brutale Over-The-Top-Welt von Kick-Ass und Hit-Girl springen. Dieser schnelle Wechsel von der Realität hin zu vor kreativem Witz und Blutfontänen sprühenden Szenen macht so unglaublich viel Laune, dass ich es echt schade finde, dass wir dieses abschließende Abenteuer aufgrund des schwächelnden zweiten Teils wohl nie auf der Kinoleinwand erleben dürfen. Dafür bereitet uns Millar mit der letzten Szene des Comics einen wirklich runden Abschluss, schließt eine Klammer, die ganz zu Beginn geöffnet wurde und macht Mut für die Zukunft.



      Meine Wertung: 8/10 (Hit-Girl)

      Meine Wertung: 8/10 (Kick-Ass 3)

      Beides noch mit leichter Tendenz nach oben! Ich fand sowohl den Start der Hit-Girl Solo-Serie, als auch das große Kick-Ass-Finale extrem gut und nochmal eine Kante besser als den Erstling. Wie wars für Euch?

      VG, God_W.
    • Wieder unterwegs mit den Raum-Zeit-Agenten…



      Titel: Valerian & Veronique Gesamtausgabe 2 – Band 3: Das Land ohne Sterne

      Verlag: Carlsen Comics (FR: Dargaud)

      Format: 168 Seiten im Hardcover/Albenformat

      Inhalt: Das Land ohne Sterne; Willkommen auf Alflolol; Die Vögel des Tyrannen

      Autoren: Pierre Christin

      Zeichner: Jean-Claude Mézières

      Klappentext bzw. Angaben des Verlags:
      „Vor uns hatte niemand Abenteuer wie diese erzählt. In dieser Serie ist einfach alles möglich, und jedes neue Album bringt uns dorthin, wo wir es wollen.“ - Jean-Claude Mézières

      „Science-Fiction ist eine wunderbare Möglichkeit, der Wirklichkeit zu entfliehen.“ – Pierre Christin

      Dieser Band enthält die Abenteuer "Das Land ohne Stern", "Willkommen auf Alflolol" und "Die Vögel des Tyrannen". Dazu gibt es eine Einleitung mit Informationen zu den einzelnen Geschichten und ein Vorwort von Stan Barets. Abgerundet wird der Band durch eine Zeitleiste, auf der alle Abenteuer von Valerian und Veronique eingeordnet sind.



      Just my 2 cents:
      Der zweite Band von Carlsens Gesamtausgabe zum Sci-Fi-Klassiker Valerian & Veronique fällt mit 168 Seiten minimal dicker aus, ist ansonsten von der Aufmachung her aber identisch. Das Albumgroße Hardcover ist in Glanzoptik ausgeführt, was manchem vielleicht gefällt, ich persönlich mag matt etwas lieber, aber das mindert den Gesamteindruck nicht. Was ich beim ersten Band allerdings festgestellt habe ist, dass die Bücher selbst nach vorsichtigem Lesen schnell etwas schief werden. Das ist ein wenig schade, weil das im Regal dann so „holprig“ aussieht, aber wirklich schlimm ist es nicht.

      Dafür ist der Band wieder ordentlich mit redaktionellem Bonusmaterial ausgestattet, welches ich diesmal sogar noch interessanter fand als im ersten Sammelband. Am beeindruckendsten fand ich die Doppelseite eines Entwurfs von Mézières für den Anfang von Die Vögel des Tyrannen, denn hier wurde mir erstmals deutlich was für ein toller Künstler Jean-Claude Mézières doch ist. Ich fand seine Zeichnungen wirken oft ein wenig, hmmm, wie drücke ich das jetzt nett aus – ein klein wenig schluderig, ungenau und fast ein bisschen unfertig. Wenn ich mir diese Schwarz-/Weiß-Seiten allerdings ansehe bin ich schwer beeindruckt und komme zu dem Schluss, dass wohl die recht grobe Colorierung das Artwork leider etwas abwertet. So weit dazu, jetzt aber auf in das Land ohne Sterne.



      Es sind große Abenteurer und Pioniere, die Menschen, die sich in die Weiten des Alls wagen um neue Planeten und unbekannte Welten zu kolonialisieren. Einen Trupp dieser mutigen Siedler haben die Raum-Zeit-Agenten Valerian und Veronique auf ihrer Reise zum Ukbar-Sonnensystem, ihrer neuen Heimat begleitet. Jetzt besuchen sie zum Abschied noch jeden der Planeten, wo Valerian im Namen des Raum-Zeit-Service jeweils eine Rede an die zukünftigen Bewohner halten soll. Dass er dabei von Empfang zu Empfang immer besoffener wird findet Veronique überhaupt nicht witzig.

      Weit gravierender ist allerdings das Problem, das einer der Wissenschaftler mit seinem Teleskop entdeckt. Ein riesiger Planet rast in bester Armageddon-Manier auf das Sonnensystem zu und droht Ukbar vollends zu zerstören. Na klar machen sich unsere Helden umgehend auf den Weg um etwas dagegen zu unternehmen, doch dabei sollte eine große Überraschung nicht lange auf sich warten lassen. Der riesige Planet ist Hohl, in seinem Inneren befindet sich eine eigene Sonne und auf der Innenseite des Planeten leben drei Völker. Die Valsenar und die Malka sind sich spinnefeind und bekriegen sich erbittert, während die friedlichen Lemm beide Seiten mit Flogums, einer Art Kristallblüten, die bombenähnliche Eigenschaften besitzen beliefern. Bei diesem fahrenden Volk landen Valerian und Veronique zuerst und müssen jetzt alles daran setzen alle drei Völker des Planeten dazu zu bringen gemeinsam zu versuchen die Flugbahn ihrer Heimat zu verändern. Doch das stellt sich schnell als schwieriger heraus als gedacht.

      Mit einer großen Portion Humor und unglaublich viel Fantasie entführen mich Pierre Christin und der Künstler Mézières wieder in eine fremde Welt. Klar ist die Moralbotschaft mal hier deutlich zu erkennen, aber Kampf der Geschlechter, der zwischen den beiden Kriegsparteien herrscht bringt auch reichlich Spaßpotential mit sich. Dazu die vielen unglaublich tollen Ideen und vor Einfallsreichtum und bunter Farbenpracht sprühenden Bilder! Kristallblumen als Waffen, Häuser auf riesigen Insekten geben dem Begriff Mobile Home eine ganz neue Bedeutung, Riesige Städte voller Prunk und Pracht, Tolle Kostüme (der Schneider von Prinzessin Leia kommt also von hier ;) ) und große Schlachten in Luftschiffen bieten alles was das Science Fiction Herz begehrt. Ein toller Band, wenn nicht sogar der Beste bis jetzt.

      Meine Wertung: 8/10



      Sehr schöner Auftakt zum zweiten Sammelband, so kann es gerne weitergehen!

      VG, God_W.
    • Der Orient bietet nicht nur bezaubernde Märchen…



      Titel: Persepolis

      Verlag: Edition Moderne (Fr: L’Association)

      Format: 356 Seiten im Softcover mit Klappenbroschur

      Inhalt: Persepolis. Bd. 1: Eine Kindheit im Iran & Persepolis. Bd. 2: Jugendjahre

      Autoren: Marjane Satrapi

      Zeichner: Marjane Satrapi

      Klappentext bzw. Angaben des Verlags:
      Aus der Perspektive eines kleinen Mädchens erzählt die gebürtige Iranerin Marjane Satrapi von der islamischen Revolution von 1979 und vom Krieg mit dem Irak – und zwar in einer einfachen, aber effektiven Bildsprache.
      Um dem iranisch-irakischen Krieg zu entkommen, wird sie als Jugendliche von ihren Eltern aus Teheran nach Wien geschickt. Nach vier Jahren kehrt sie trotz der Faszination der europäischen Jugendkultur wegen Heimweh nach Teheran zurück, wo sie als dekadent gilt und mit den täglichen Widerwärtigkeiten des islamischen Regimes konfrontiert wird. Von nun an ist sie nirgendwo mehr zuhause.

      Der Graphic Novel-Bestseller in einem Band!

      "Marjane Satrapi ist die erste orientalische Comic-Zeichnerin überhaupt, die internationale Erfolge verzeichnen kann." Andreas Platthaus, Frankfurter Allgemeine Zeitung

      "Sie zeichne, sagt Marjane Satrapi, die heute in Paris lebt, ihre Familiengeschichte nicht für iranische Leser, sondern für jene westliche Welt, die gewissermaßen vor lauter Kopftüchern die Vielfalt der realen Gesichter des Iran nicht sehe." Ijoma Mangold, Süddeutsche Zeitung

      Just my 2 cents:
      Meine Frau und ich mögen den Orient sehr gerne. Auch wenn wir noch nicht allzu oft dort waren lieben wie die Geschmäcker, die Gerüche, die Gastfreundschaft der Menschen und wenn der Muezzin von den Minaretten erklingt fühlen wir uns irgendwie gleich ein Stück weit angekommen. Nachdem unser eigentlich für dieses Jahr geplanter Schweiz-Urlaub erstmal verschoben wurde ist eine weitere Reise in ein orientalisches Land eine der beiden Optionen, die wir für kommenden November aktuell ins Auge gefasst haben.

      Da ich mich durch Filme und Literatur immer gerne etwas in die Region in die es gehen soll einstimme hatte ich vor Kurzem eine kleine Fragerunde hier im Forum zu orientalischen Comics gestartet und wirklich reichhaltiges Feedback bekommen. Natürlich gibt es da die verschiedensten Werke aus unterschiedlichen Genres und mit mannigfaltigen Hintergründen und Intentionen. Von Asterix im Morgenland über SinBad, von den Löwen von Bagdad bis hin zu Habibi und noch vielen mehr. Auch wenn wir mit unsrer vierjährigen Tochter selbstverständlich nicht in den Irak oder den Iran fahren werden, sind es dennoch orientalisch Länder und passen somit zum Thema. Als erstes Werk zur kulturellen Einstimmung habe ich mir nach kurzer Recherche dann schnell Persepolis herausgepickt, denn der autobiographische Hintergrund hat mich auf Anhieb gepackt.



      1980 im Iran, dem ehemaligen Persien. Etwa ein Jahr nach der sogenannten „islamischen Revolution“ beginnt sich das Leben der zehnjährigen Marjane Satrapi für immer zu verändern. Für das von ihren recht wohlhabenden Eltern sehr offen erzogene Mädchen geschehen viele zunächst unverständliche Dinge. Dazu zählt die Pflicht ein Kopftuch zu tragen, später der Schleier. Ihre Mutter darf in der Öffentlichkeit keine Schminke mehr tragen oder lackierte Fingernägel haben. Wer es wagt gegen den Schah zu demonstrieren läuft Gefahr ins Gefängnis gesteckt zu werden, wie es ihrem Onkel erging und so lebte die Kleine in ständiger Angst, dass auch ihr Vater von den Ordnungskräften geholt würde.

      Mit Gewalt wird gegen die Demonstranten vorgegangen und wer es wagt Fotos davon zu machen läuft Gefahr für immer weggesperrt zu werden. Doch auch als der Schah abgesetzt wurde war keine Besserung in Sicht, nein, es wurde nur schlimmer und schlimmer. Krieg mit den Nachbarländern, religiöser Fanatismus und Öl, Öl und nochmal Öl. Die Gründe sind mannigfaltig und für das Kind kaum nachzuvollziehen. Westliches Gedankengut wird verboten, Bücher werden verbrannt, Poster, Musik und Partys sind verboten, natürlich ebenso wie Homosexualität oder Berührungen unverheirateter in der Öffentlichkeit. Politische Gefangene werden gefoltert und hingerichtet. Das geht so weit, dass Frauen, die sich einem religiösen oder politischen Vergehen schuldig gemacht haben verhaftet werden. Jetzt dürfen aus religiösen und traditionellen Gründen aber keine Jungfrauen hingerichtet werden. So werden solche Mädchen mit einem Religionswächter zwangsverheiratet, vergewaltigt und anschließend hingerichtet. Traditionsgemäß erhalten ihre Eltern eine Abfindung, in diesem Fall umgerechnet etwa 5€.

      In dieser schrecklichen Umgebung wollen Marjanes Eltern ihre Tochter nicht aufwachsen lassen und leben in ständiger Angst, dass die kleine Rebellin verhaftet werden könnte. Deshalb wird sie im Alter von 14 Jahren nach Österreich auf eine französische Schule geschickt. Die Sprache hatte sie bereits in der zweisprachigen Schule ihrer Heimatstadt gelernt, bevor diese geschlossen wurde. Allein in Wien, mit 14 Jahren und ohne Deutschkenntnisse versucht Marjane sich fortan durchzuschlagen, was, auch aufgrund ihrer zwar liebenswerten aber auch sehr sturen Persönlichkeit alles andere als leicht wird…



      Puh, ganz schön harter Tobak, den Frau Satrapi hier auftischt. Selten denke ich im Nachgang noch so lange über das Gelesene nach, ziehe Vergleiche, versuche mich in die Situation der Hauptfigur zu versetzen und bei der ein oder anderen Situation bekomme ich dabei ein richtig flaues Gefühl in der Magengrube. Dennoch kommt die Erzählung selbst in einem Fluss daher der durch eine Leichtigkeit zu glänzen weiß, dass man wie auf Flügeln stetig vorangetrieben wird. Bei so einem ernsten Thema ist das vielleicht erstmal ungewöhnlich, gelingt Marjane Satrapi aber wie von Zauberhand dadurch, dass sie uns alles durch die Augen eines furchtlosen Kindes erleben lässt. Dazu kommt Marjanes geradezu entwaffnende Ehrlichkeit, denn ein gänzlich unbescholtenes Blatt ist die junge Dame auch nicht, die sich in ihrer neuen Heimat erstmal nur schwer zurechtfindet. So stolpert sie von den Gothic People über die Punks und Kommunenhippies bis zum Drogenkonsum und später sogar zum Handel.

      Eine harte Lebensgeschichte einer Lady, die viel mitmachen musste, aber nie den Stolz für ihr Heimatland verloren hat. Nein, sie muss sich nicht dafür entschuldigen Iranerin zu sein, und auch wenn in ihrem Land politisch fast alles schief läuft was schieflaufen kann, so leben dort doch stolze, liebevolle und liebenswerte Menschen, die vielleicht weltoffener sind als manche von uns. Nur leider sind das die Menschen, deren Stimme im Iran am leisesten gehalten wird. Ich habe bei der Lektüre unglaublich viel gelernt und war auch mehr als einmal tief getroffen und geschockt. Klar, die Zeichnungen schrecken beim ersten Aufschlagen erstmal ab, aber wie liest man überall so schön, so wird man schon nicht von einem überbordenden Artwork von der Story abgelenkt.

      Den Oscarnominierten Zeichentrickfilm habe ich noch nicht gesehen und das das Werk neben dem Max-und-Moritz-Preis auch noch die Auszeichnung für den Comic des Jahres auf der Frankfurter Buchmesse 2004 abstauben konnte war mir vor der Lektüre auch nicht bekannt. Wenn der Film auch nur annähernd die Intensität des Leseerlebnisses erreicht muss das Teil aber ein Knaller sein und die Preise für den Comic selbst sind mehr als gerechtfertigt.

      Meine Wertung: 9/10



      Die Höchstnote kann ich aufgrund des sehr rudimentären Artworks leider nicht ziehen, aber es ging echt nur Haarscharf dran vorbei. Ihr seid von den Bildern abgeschreckt? Fasst Euch ein Herz und gebt dem Meisterwerk eine Chance!

      VG, God_W.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von God_W. ()

    • Absolute Zustimmung meinerseits. Der Film ist im Vergleich zum Comic meines Erachtens genau das, was man gemeinhin als "kongenial" bezeichnet. Da kannst Du nix falsch machen, wenn Du Dir den auch anschaust. Lief von 2010 bis 2016 öfters im Ersten, auf einsfestival, den Dritten (BR, WDR, rbb etc.). Vielleicht wird er demnächst ja mal wieder im Öffentlich-Rechtlichen ausgestrahlt. Falls Du nicht warten willst: Momentan gibt's die DVD bzw. die Blu-Ray für um die 10 € zu haben, und er ist bei verschiedenen Streaming-Anbietern verfügbar für um die 3 oder 4 €. Das ist der Film wirklich wert.
    • black hole schrieb:

      Absolute Zustimmung meinerseits. Der Film ist im Vergleich zum Comic meines Erachtens genau das, was man gemeinhin als "kongenial" bezeichnet. Da kannst Du nix falsch machen, wenn Du Dir den auch anschaust. Lief von 2010 bis 2016 öfters im Ersten, auf einsfestival, den Dritten (BR, WDR, rbb etc.). Vielleicht wird er demnächst ja mal wieder im Öffentlich-Rechtlichen ausgestrahlt. Falls Du nicht warten willst: Momentan gibt's die DVD bzw. die Blu-Ray für um die 10 € zu haben, und er ist bei verschiedenen Streaming-Anbietern verfügbar für um die 3 oder 4 €. Das ist der Film wirklich wert.
      Na dann werde ich mir den Streifen auf jeden Fall mal auf die Liste setzen. Danke für die Empfehlung!
    • Spawn wird 100!!!



      Titel: Spawn Origins Collection – Band 8

      Verlag: Panini (US: Image)

      Format: 372 Seiten im großformatigen Hardcover

      Inhalt: US-Hefte #88-100

      Autoren: Todd McFarlane; Brian Holguin

      Zeichner: Greg Capullo

      Klappentext bzw. Angaben des Verlags:
      1992 ließ der legendäre Autor und Zeichner Todd McFarlane seinen Kult-Antihelden Spawn auf die Welt los – danach war nichts mehr so wie zuvor.

      Al Simmons, ein Agent der Regierung, war von einem Kollegen getötet worden. Nachdem er in den Tiefen der Hölle wieder zum Leben erweckt worden war, kehrte er als Spawn-Krieger auf die Erde zurück und beschützte fortan die Obdachlosen in den dunklen Gassen New Yorks – immer auf der Suche nach Spuren seiner Vergangenheit. Allmählich lernte er, die außergewöhnlichen Kräfte zu bändigen, über die er nun verfügte, und gleichzeitig begann er zu begreifen, auf was er sich eingelassen hatte – und was er dafür aufgeben musste.

      In Spawn Origins 8 versucht Simmons, seinen höllischen “Dienstherren” aus dem Weg zu gehen. Aber so einfach ist es nicht. Denn er spielt eine ganz besondere Rolle im Kampf zwischen Himmel und Hölle, und diesem Schicksal kann und darf er sich nicht entziehen. Aber nicht alle Teilnehmer an diesem ewigen Krieg spielen ein sauberes Spiel. Und so gerät Spawn in eine Intrige, die das Jüngste Gericht auslösen soll…

      Auch dieser Band enthält wieder exklusives Bonusmaterial und sämtliche Cover.



      Just my 2 cents:
      Nach all den Ausflügen zu Spawn The Undead, Sam & Twitch sowie Curse of the Spawn bin ich jetzt „endlich“ wieder zurück an der Ongoing. Bei der geht es auch gleich richtig zur Sache, denn wir marschieren mit großen Schritten auf die magische 100 zu! Wer hätte damals bei der Gründung des Image-Verlages geglaubt, dass es der Höllensporn mal so weit bringen würde? Vermutlich nur der Toddster selbst, denn das Ego dazu hat er wohl allemal. Hoffentlich bekommt er auch den Film halbwegs hingebogen, ich wäre so froh, wenn der ein ordentliches Box Office macht und nicht so untergeht wie es Hellboy leider passiert ist. Auf jeden Fall freue ich mich, dass ich hier jetzt die erste Hundert in meinen Händen halten darf und da der Höllensporn ja aktuell ganz scharf auf die 300 zusteuert habe ich da auch noch Einiges vor mir, an Höhen und Tiefen wie man so hört. Jetzt aber erstmal zu den Höhen, denn der Spurt bis zur 100 war ganz schön cool…

      US-Hefte #88-90
      Spawn hat alles hingeschmissen und ist untergetaucht. Er hat die Schnauze voll von diesem ganzen Himmel, Hölle und Armageddon-Mist. Er macht bei dem Spiel nicht mehr mit und arbeitet jetzt auf eigene Rechnung und zwar tut er genau das was er möchte, er sorgt für Gerechtigkeit und zwar auf seine ganz eigene charmante Art und Weise. Wie das manchmal abläuft durften wir bereits bei Spawn – The Undead miterleben und auch jetzt ist Al Simmons alles andere als zimperlich. Da werden sadistische Stiefväter gerichtet und dumme Jungs, deren übertriebene „Späße“ ein junges Mädchen das Leben gekostet hat, ihrer gerechten Strafe zugeführt.

      Währenddessen geht den Mächten des Himmels und der Hölle der Allerwerteste auf Grundeis, denn Spawns Rolle ist wichtiger als alle Beteiligten bislang zugeben wollten. Jetzt versuchen beide Parteien Cogliostro davon zu überzeugen ihnen zu helfen Spawn wieder aufs Spielfeld zu holen. Der besucht derweil einen alten Bekannten und als die einstmals himmlische Gesandte Angela erscheint wird es so langsam richtig interessant.

      US-Hefte #91-93
      Ein spannender Zweiteiler mit bitterbösem Finale für einen Dämonenbeschwörer, einen Trickster, einen Möchtegern-Constantine. Doch welchen Dämon will der größenwahnsinnige Mark beschwören? Wen will er versklaven und sich seinen Willen zu Eigen machen? Na klar, den des Hellspawns - Ganz böser Fehler…
      Gefolgt wird der Zweiteiler von einer Horrorshow mit High-Society-Kannibalen, die irgendwo zwischen kranken Spielen a La Harte Ziele und Surviving the Game noch Zeit für Séancen finden bis ihnen jemand im roten Cape dazwischenfunkt…



      US-Hefte #94-95
      Die arme kleine Cyan musste in ihren jungen Jahren schon einiges erdulden. Das solche traumatischen Erlebnisse nicht spurlos an einer Kinderseele vorübergehen ist ja klar, als sie dann aber auch noch nächtlichen Besuch bekommt eskaliert die Situation.
      Leider ist das gepeinigte Kind nahezu auf sich allein gestellt, denn bei ihren Eltern kriselt es gewaltig, oder wie der Hefttitel besagt, das Fundament bekommt Risse. Woran liegts? Ganz einfach, Wanda ist schwanger und wie es scheint ist es ausgeschlossen, dass Terry der Vater des Kindes ist, denn da lieb schon seit geraumer Zeit nichts mehr. Wanda ist verzweifelt und weiß, dass sie Terry niemals hintergangen hat, aber wie soll er daran glauben, denn auch er weiß ganz sicher, dass er nicht der Vater des heranwachsenden Kindes sein kann. Doch wie sich mit der Zeit herausstellt ist es eine ganz spezielle Saat, die da in Wandas Bauch heranwächst, und das ist enorm beunruhigend.

      Zur gleichen Zeit kommen zwei junge Killer in ihrem gestohlenen Wagen von der Straße ab und sterben. Nur um umgehend wieder aufzuwachen, aber nicht als Zombies, sondern als Reinkarnation von Zabraxas und Abbadon, die auf die Erde gekommen sind um die Apokalypse einzuleiten indem sie Urizen erwecken. Der ist allerdings ganz anders als in der William Blakes Mythologie und ungleich gefährlicher und gewalttätiger. Dazu derart mächtig, dass er den jetzt auf den Plan tretenden Spawn in kürzester Zeit vernichtet…

      US-Hefte #96-100
      OK, „vernichtet“ ist vielleicht etwas zu viel gesagt, aber unser aller Al erleidet eine zerschmetternde Niederlage und ist vorerst außer Gefecht. Die Lage erscheint verzweifelt und hoffnungslos, doch Spawn hat noch Verbündete da draußen. Eine davon ist ein verstoßener Engel, wunderschön und knallhart. Angela nimmt sich zuerst die beiden Boten der Apokalypse zur Brust, bevor sie Spawn zu Hilfe kommt und anschließend suchen die beiden Cogliostro auf. Der ist allerdings keine große Hilfe und so ist das ungleiche Pärchen weiter auf sich allein gestellt.
      Ab jetzt geht es drunter und drüber. Die beiden Boten können aufgrund eines Zaubers keine weiteren Informationen preisgeben, aber fest steht, dass sich Spawn erneut dem zerstörerischen Urizen stellen muss. Dessen Amoklauf ruft eine kleine Armee Engel auf den Plan, die die Erde stürmen wollen um den Dämon zu vernichten. Das wiederum versucht Angela zu verhindern, denn sollten die Mächte des Himmels die Erde betreten würde der Höllenarmee das gleiche Recht zuteil, was zwangsläufig die Vernichtung der Welt zufolge hätte. Als ob die ganze Sache noch nicht verfahren und kompliziert genug wäre plagen Wanda immer schlimmere und blutigere Alpträume über die Geburt ihres „Babys“ und in der Hölle lecken sich einige alte Bekannte von Spawn schon die Finger nach ihm und ihrer Rache…

      Wow, eine enorm coole Mischung spannender Stories in denen es mal ordentlich vorwärts und auch zur Sache geht. Das Tempo hat angezogen, die Action ist grandios und der Gewaltgrad passt. Dazu ordentlich Screentime für meine liebe Angela und wie Spawns Bündnis mit dem Grün eingesetzt wurde macht enorm was her. Genau wie das Artwork von Greg Capullo! Jedesmal, wenn ich nach einiger Zeit wieder zu Spawn zurückkomme bin ich wieder geflasht von den Bildern, die der Mann auf die Seiten Zaubert. Die Ultragroßaufnahmen, die dynamischen Fightszenen, Splatter- Licht- und Raucheffekte, kleinste Details und beeindruckende Splashpages. Der Mann hat es einfach drauf das alles und die Charaktere so sexy in Szene zu setzen wie man es nur selten sieht. Hab jetzt schon ein wenig Angst vorm anstehenden Zeichnerwechsel, allerdings hat Angel Medina ja bei Sam & Twitch auch großartige Arbeit geleistet, bin schon gespannt wie er sich an der Hauptserie macht. Allgemein steht wohl eine Zeit der Veränderung an, weil auch Steve Niles als Autor dazustößt. Macht mich ein wenig unruhig, denn Holguins Einfluss auf den Toddster fand ich ganz gut, da ging mehr vorwärts. Aber egal jetzt geht’s hier erstmal um die Strecke von #88 bis 100 und das große, teilweise echt überraschende und schockierende Finale, das mich echt begeistern konnte.



      Der pralle Band ist wieder mit allen Covern in beeindruckendem Schwarz/Weiß ausgestattet, sowie den Paperback Covern in Farbe. Dazu gibt’s als Geburtstagsgeschenk einen schönen Schwung richtig fette Variants von Namhaften Künstlern wie Ross, Mignola und Miller und auch der Toddster selbst lässt ein paar Worte fallen. Eine echt gelungene, fette Geburtstagsfete.

      Meine Wertung: 9/10

      :birthday: Spawn und auf die nächsten 100! Klar ist Spawn nicht vergleichbar mit Glanzlichtern wie Persepolis, Gipfel der Götter oder Auf der Suche nach Peter Pan, aber für einen düsteren Fun-Action-Superhelden-Flic hat das Teil echt Style und der Band ist in der Richtung einer der Besten, die ich bislang lesen durfte. Nach Spaß und Artwork zu urteilen darf ich dem guten Stück von meiner Seite also vollkommen ohne schlechtes Gewissen eine dicke 9 verleihen.

      VG, God_W.
    • majorcrampas schrieb:

      Da wird mir immer wieder bewusst, was da noch an lesenswertem Stoff im Universum herumgeistert. Wenn mein Lesestapel nicht so verdammt hoch wäre...argh! Mit deinen Rezis machst du ein Widerstehen fast unmöglich.
      Das musst Du gerade sagen! Jedes zweite mal wenn ich in Deiner Rezibude vorbei schaue wird mein Wunschzettel wieder länger! :thumbsup2:
    • Ein Hauch von Gelb in der schwarz/weißen Welt…

      ACTIONKINO am Freitagabend (Nr. 30) - Montagsausgabe



      Titel: Frank Miller’s Sin City 4 – Dieser feige Bastard

      Verlag: Cross Cult (US: Dark Horse)

      Format: 240 Seiten im kleinformatigen Hardcover

      Inhalt: Frank Miller’s Sin City 4: That Yellow Bastard

      Autoren: Frank Miller

      Zeichner: Frank Miller

      Klappentext bzw. Angaben des Verlags:
      "All ihre Briefe. All die Jahre. Dürre kleine Nancy. Meine einzige Freundin. Die Tochter, die ich nie hatte. Ich muss hier raus. Ich muss ihr helfen. Nichts ist wichtiger. Nichts. Nicht mein Leben ... und mein Stolz schon gar nicht."

      Juniors Hobby sind kleine Mädchen. So wie die elfjährige Nancy Callahan. Der alternde Bulle John Hartigan rettet Nancy vor Junior – und tritt damit einen Weg in die Hölle an. Denn Junior ist der Sohn von Senator Roark. Aus Rachsucht zerstört Roark Hartigans Leben. Aber Hartigan gibt nicht auf. Auch nicht, als er im Knast verrottet. Denn da ist noch Nancy – und der Bastard in Gelb ...

      DIESER FEIGE BASTARD ist der vierte Band der Serie und bietet einige überraschende Reminiszenzen an Band eins. Dieser Band war eine der drei Vorlagen für den ersten SIN CITY-Film!



      Just my 2 cents:
      Selbst über 30 Jahre Dienst in der verkommensten Stadt der ganzen Küste konnten John Hartigan nicht weichkochen. Er hat es geschafft aufrecht durch seine Dienstzeit zu gehen, keine Schmiergelder anzunehmen, nicht wegzusehen, ein sauberer Cop zu bleiben. In einer Stadt wie Sin City ist eine Leistung ganz besonderer Art und die Sorte Bullen, die Hartigan darstellt ist vom Aussterben bedroht. Doch auch der zäheste Hund wird einmal alt und so steht der kernige Gesetzeshüter kurz vor seiner Pensionierung, er ist gesundheitlich angeschlagen, die Pumpe macht einfach nicht mehr alles mit – sprich: Er ist einfach „zu alt für den Scheiß“ ;) .

      Doch ausgerechnet an seinem letzten Tag erhält er einen brandheißen Tipp und so zieht er ein letztes Mal los, zum Schutz der Schwachen und um der Gerechtigkeit Geltung zu verschaffen. Auch an seinem letzten Tag kann er es nicht gut sein lassen, die kleine Nancy, ein entführtes Mädchen, in den klauen eines sadistischen Pädophilen lassen, keine Chance. Das Problem ist, der feige Kindermörder ist nicht irgendwer. Nein, er ist der Sohn von Senator Roark, dem mächtigsten Politiker der Stadt und bislang traute sich niemand an ihn heran. Daddy regelt alles für Junior, immerhin soll der schließlich mal Präsident werden! Aber die Rechnung wurde ohne Hartigan gemacht, der gegen die Schmerzen in der Brust ankämpft und zur Rettung der lieben kleinen Nancy eilt, egal was Juniors Daddy mit ihm anstellt…



      Alle, die den ersten Sin City Kinofilm gesehen haben wissen, was jetzt kommt, allen anderen will ich den Spaß nicht verderben und deshalb belassen wir es an dieser Stelle mal dabei, war noch nicht mal der Inhalt des ersten Kapitels. Aber eins ist klar, ganz im Stile von Frank Miller und nach bester Sin City Manier gibt es keine Kompromisse. Straight Forward und knallhart bleibt Cop John Hartigan sich und seinen Moralvorstellungen treu, egal wie heftig der Gegenwind auch wird, und der bläst heftig, das ist klar.

      Erneut hat Frank Miller hier das Äußerste an niederträchtigem Abschaum in die sündige Stadt verfrachtet, dem wird unbändige Coolness mit fatalistischer Moral entgegengesetzt und mit reichlich Sexappeal und enormer Atmosphäre auf die Seiten gezimmert. Das virtuos eingesetzte Schwarz/Weiß gehört erneut zur höchsten Kunst, ja, Miller ist ein wahrer Meister dieses Metiers und ich kann mich kaum dran sattsehen.

      Die im Grunde sehr geradlinige Story wird ungemein intensiv erzählt und fesselt von Beginn an so sehr, dass es nahezu unmöglich ist das Buch aus der Hand zu legen. Ja, es gibt wieder einige Passagen, die mit reichlich Text ausgestattet sind, aber bei dieser Art von Storytelling ist das alles andere als negativ. Gerade in den Szenen, bei denen Hartigan seinen Peinigern schutzlos ausgeliefert ist leide ich mit ihm mit und es beschleicht mich langsam und mit kalten Fingern ein beklemmendes, ja geradezu klaustrophobisches Gefühl, was in Verbindung mit der blanken Machtlosigkeit wahre Verzweiflung aufkeimen lässt.



      Erneut ein absoluter Kracher, den Frank Miller hier abliefert und ich bin echt verwundert, dass selbst bei Teil vier noch keinerlei Ermüdungserscheinungen auftreten und ich noch genauso begeistert bin wie bei meinem ersten Besuch in der verruchten Stadt, die menschlich Seelen dahinrafft wie ich die Erdnüsse bei einem Kinobesuch. Von Cross Cult erneut stilecht verpackt, in gleicher Ausstattung wie bei den vorangegangenen Bänden. Mein nächster Ausflug nach Sin City lässt bestimmt wieder nicht lange auf sich warten.

      Meine Wertung: 10/10

      Meine Freitagsrubrik kommt schon wieder verspätet, am Freitag gab’s nämlich Nerd-Whisky-Tasting mit den Game of Thrones Abfüllungen, Samstag war Hochzeitstag und Sonntag Besuch und einen kleinen Familienausflug. Aber diese Woche bekomm ich’s wieder freitags hin, versprochen!

      VG, God_W.

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    • Schon wieder Alkohol?!? Nur noch besoffen, der Valerian! – Ach nee, Alflolol



      Titel: Valerian & Veronique Gesamtausgabe 2 – Band 4: Willkommen auf Alflolol

      Verlag: Carlsen Comics (FR: Dargaud)

      Format: 168 Seiten im Hardcover/Albenformat

      Inhalt: Das Land ohne Sterne; Willkommen auf Alflolol; Die Vögel des Tyrannen

      Autoren: Pierre Christin

      Zeichner: Jean-Claude Mézières

      Klappentext bzw. Angaben des Verlags:
      „Vor uns hatte niemand Abenteuer wie diese erzählt. In dieser Serie ist einfach alles möglich, und jedes neue Album bringt uns dorthin, wo wir es wollen.“ - Jean-Claude Mézières

      „Science-Fiction ist eine wunderbare Möglichkeit, der Wirklichkeit zu entfliehen.“ – Pierre Christin

      Dieser Band enthält die Abenteuer "Das Land ohne Stern", "Willkommen auf Alflolol" und "Die Vögel des Tyrannen". Dazu gibt es eine Einleitung mit Informationen zu den einzelnen Geschichten und ein Vorwort von Stan Barets. Abgerundet wird der Band durch eine Zeitleiste, auf der alle Abenteuer von Valerian und Veronique eingeordnet sind.



      Just my 2 cents:
      Nein, Valerian ist nicht schon wieder so sturzbetrunken, wie er sich zu Beginn des Vorangegangenen Abenteuers zugerichtet hatte. Lediglich ein Planet, der diesmal im Mittelpunkt der Handlung steht trägt den so ähnlich klingenden Namen Alflolol. Allerdings beginnt unser neustes Abenteuer mit den beiden Raum-Zeit-Agenten auf einem Himmelskörper mit ganz anderem Namen…

      Technorog – der riesige Planet mit nahezu unerschöpflichen Vorkommen an wertvollen Bodenschätzen hat sich über die letzten Jahrzehnte zu einem absoluten Brennpunkt des gesamten galaktischen Imperiums entwickelt. Er versorgt so viele Welten mit den benötigten Rohmaterialien für die Raumfahrt und Wissenschaft, dass ein Leben, wie die Bewohner der Galaxis es mittlerweile gewohnt sind ohne diese Welt nahezu unmöglich wäre. Valerian und Veronique brechen gerade von diesem einzigartigen Planeten auf, auf dem sie gerade ihren Auftrag zur Inspektion der Schürfanlagen und dergleichen beendet haben. Alles scheint reibungslos zu laufen und so können die beiden beruhigt zu ihrem nächsten Auftrag aufbrechen.

      Doch als sie gerade dabei sind die letzten raum-Riffe zu passieren und ins freie Weltall vorzudringen, als Veronique von einem schimmernden Kraftfeld quasi eingefroren wird. Als sie wieder erwacht sagt sie sie hätte einen Hilfeschrei empfangen und tatsächlich, unweit entfernt ist ein Raumschiff steuerungslos in Not geraten und droht abzustürzen. In einer waghalsigen und abenteuerlichen Rettungsmission gelingt es unseren Helden die Wesen in Not (und ihr süßes Haustier Gumun) in Sicherheit zu bringen.

      Wie sich herausstellt wollen die Alflololier, wie sie sich selbst nennen, lediglich zurück nach Hause, ihren Heimatplaneten – Alflolol. Allerdings ist das problematischer als gedacht, denn die Heimat der lustigen und freundlichen Wesen ist nichts Anderes als der Planet, der im galaktischen Imperium als Technorog bekannt ist. Die langlebigen Alflololier waren lediglich auf einer längeren Erkundungsreise, einer Art Urlaub und kehren jetzt, nach 4 roundabout 4000 Jahren nach Hause zurück. Wie es der Zufall so will liegt ihr Heimatland ausgerechnet in den fruchtbarsten Gebieten des Rohstoffplaneten und da die Alflololier nun mal nachgewiesenermaßen zuerst hier waren steht ihnen das Vorrecht auf dem Planeten zu leben auch ohne Frage zu. Jetzt haben die Regierung und der Gouverneur eine glänzende Idee: Man könnte die Ureinwohner des Planeten doch einfach in gewisse, abgegrenzte Gebiete umsiedeln, wo sie wie früher leben können. Fernab ihrer früheren Heimat und der ergiebigen Felder zwar, aber doch immerhin auf ihrem Planeten.



      Veronique ist von diesem Vorhaben selbstverständlich aufs äußerste schockiert, doch Valerian wird von der Regierung eingesetzt dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen und zu überwachen. Fortan nimmt er diese Aufgabe auch äußerst gewissenhaft wahr, womit er Veronique zweifelsohne in Rage und gegen sich aufbringt…

      War in der letzten Folge noch der lustige Vollsuff, so wandelt er sich hier zu einem bierernsten, stellenweise schon strengen und unliebsamen Charakter. So manches Mal habe ich mich gefragt, ob er das ernst meint, was er da gerade vom Stapel gelassen hat und konnte seine geradezu unsympathische Art im Vorschriftenwahn nicht nachvollziehen. Das wollte nicht so recht zu dem Valerian passen, den ich bislang kennengelernt habe. Klar, so locker und beinahe schon Blumenkindmäßig frei wie Veronique war er noch nie, aber das war diesmal doch etwas zu viel des Guten.

      Dazu dann die Moralkelle, die diesmal ja beinahe schon mit der Wucht eines Vorschlaghammers geschwungen wird. Grundsätzlich finde ich das nicht ganz so schlimm und es ist ja auch ein wichtiges Thema, das viel zu selten in den Focus gerückt wird bzw. zur Zeit der damaligen Veröffentlichung wurde. Allerdings sollte gerade diese Indianer-Parallele eher in einer amerikanischen Comicreihe gebracht werden und hätte dort meines Erachtens nach eher ihren Platz gefunden. Das wäre mir zumindest lieber gewesen. So wirkt das sehr belehrend von außen mit hoch erhobenem Zeigefinger. Viel wirkungsvoller und gewichtiger wird eine solche Botschaft transportiert, wenn sie von innen heraus kommt und zeigt, dass die jeweilige Nation, oder zumindest ein Teil davon, die Fehler der Vergangenheit erkannt hat, eingesteht und dafür sorgen möchte, dass etwas derartiges nie wieder geschieht, in etwa so, wie es Costner über ein Jahrzehnt später mit Der mit dem Wolf tanzt eindrucksvoll auf die Leinwand gebracht hat.

      Insgesamt ist Willkommen auf Alflolol eine sehr unterhaltsame Geschichte die, gerade was das Weltendesign angeht, mit viel Fantasie punkten kann, durch die Ureinwohner von Alflolol ordentlich Humor mitbringt und dank der verschiedenen Schauplätze auch reichlich Abwechslung bietet. Die extrem vorhersehbare Kernstory und der bittere Beigeschmack bei der Charakterdarstellung von Valerian, sowie die überzogene Art und Weise in der die Moral aufgetischt wird führen bei mir aber diesmal doch zu deutlichem Abzug in der B-Note.

      Meine Wertung: 6/10

      Ja, ganz so begeistert wie vom Land ohne Sterne bin ich diesmal nicht, aber Spaß hatte ich dennoch bei der Sache. Auf die als nächstes anstehenden Vögel des Tyrannen freue ich mich dennoch ungemein, soll ja ein wenig düsterer werden, was ich meist ganz gerne mag. War Euch der Moralanteil von Alflolol auch ein Stück zu groß, oder konnte Euch die Geschichte restlos begeistern?

      VG, God_W.
    • Ostern schon vorbei und noch nicht mal das Weihnachtswichtelgeschenk gesichtet? Da wird’s aber Zeit…



      Titel: Das verlorene Paradies: Band 1 - Hölle

      Verlag: Splitter (FR: MC Productions)

      Format: 48 Seiten im Hardcover/Albenformat

      Inhalt: Paradis perdu: Enfer

      Autoren: Anne Guéro; Gérard Guéro (beide zusammen = Ange)

      Zeichner: Alberto Varanda

      Klappentext bzw. Angaben des Verlags:
      Gabriel ist ein Engel, aber keineswegs der berühmte Erzengel, sondern ein „Working Class“-Engel, der eines der vielen Tore zwischen Licht und Dunkel bewacht. In seinem Falle eine Pariser Metro-Station. Gabriel erledigt seinen Job gewissenhaft, aber er schlägt sich mit einem einzigartigen Problem herum. Denn er ist in die wunderschöne Dämonin Anya verliebt. Und für sie ist er bereit, buchstäblich zur Hölle zu fahren.

      Unglücklicherweise folgt ihm der kleine Julien, was die eh schon heikle Angelegenheit noch um einiges komplizierter macht.



      Just my 2 cents:
      Als Frischling gerade mal ein paar Wochen dabei war ich, als ich im November letzten Jahres herausfand, dass Ihr hier im Forum ein schönes Weihnachtswichteln veranstaltet. Fand ich eine extrem coole Sache und war ganz schön enttäuscht, als ich feststellte, dass ich noch nicht lange genug dabei bin um daran teilzunehmen. Das hat der stets wachsame Holzauge natürlich mitbekommen und mich darauf aufmerksam gemacht, dass sich auch mit einer gewissen Anzahl an Posts dafür qualifizieren kann am Wichteln teil zu nehmen und die hatte ich bereits erreicht. Juhuu, auf in die fröhliche Wichtelrunde!

      Schon einige Tage vor Weihnachten kam das Paket wohlbehalten an und ich habe es echt geschafft hart zu bleiben und erst zur Bescherung am Heiligabend auszupacken. Vom Inhalt war ich echt geflasht und freue mich deshalb auch dieses Jahr schon wieder aufs Wichteln! Neben reichlich Süßkram, einem Lego-Batman und verschiedenen Kleinigkeiten gab es zwei Witchblade-Paperbacks, die ich irgendwann mal noch sichten muss und Das verlorene Paradies, um das es heute gehen soll. Aber nicht nur Band 1, nein, der komplette Vierteiler im Splitter-Hardcover wurde mir vom guten @Yoda III. unter den Weihnachtsbaum gepackt. An dieser Stelle nochmal ein dickes :thx: dafür! Ich lese mit dem Hellblazer, Spawn und Hellboy ja reichlich Himmel-, Höllen-, und Dämonenzeugs und Franko-Belgier habe ich grundsätzlich auch ganz gerne. Wurde also sehr gut ausgesucht und es wird jetzt echt Zeit, dass ich mit der Reihe starte.



      Einst wurden die Tore der Hölle in unsere Welt unter Erbringung großer Opfer geschlossen. Doch die Öffnungen zwischen den Ebenen und Welten bestehen weiterhin und nur äußerste Wachsamkeit kann ein Armageddon verhindern. So hat jede Passage ihren eigenen Wächter. In vergessenen Tunneln der Pariser Metro ist Gabriel zuständig, ein Arbeiter-Engel. Bei einem seiner Rundgänge trifft er auf den Jungen Julien, der verloren in den Gängen herumirrt. Vor Schreck flüchtet der Kleine weiter in den Tunnel, der Pforte entgegen. Dort treffen sie auf Anya, eine Dämonin, was in der Regel kein gutes Zeichen ist. Allerdings gibt es zwischen der Dämonin und dem Wächter-Engel Gabriel ein Geheimnis, dass die beiden vor den höheren Mächten zu verheimlichen suchen. Es keimt Liebe zwischen ihnen.

      Scheinbar ist dem ungleichen Paar und ihrer verbotenen Liebe jemand auf die Schliche gekommen, denn plötzlich bricht die Hölle los und von Anya wird von finsteren Wesen hinfort gerissen. Gabriel will ihr in die Hölle folgen und sie retten, aber eine Menschenseele kann das unmöglich überstehen und so muss er sich zuerst um den weiteren Verbleib des kleinen Jungen kümmern, was viel komplizierter wird als zuerst angenommen…

      Beinahe könnte man die Reihe ja schon als einen kleinen Klassiker bezeichnen. Nicht weil sie eine extrem bekannt ist, einen Ruf genießt der wie Donnerhall durch die Zeiten klingt oder als Meisterwerk gilt, das ist alles nicht der Fall. Aber allein die Tatsache, dass es sich hier um die zweite Veröffentlichung des neuen Splitter-Verlags handelt, den die deutsche Comicgemeinde mittlerweile kennen und lieben gelernt hat und der uns aktuell monatlich mit hervorragenden Comics in herausragender Ausstattung versorgt ist schon eine Erwähnung wert. Wären diese frühen Veröffentlichungen also absolute Rohrkrepierer geworden, so würde Splitter jetzt vielleicht nicht da stehen wo sie sind und viele Perlen der neunten Kunst hätten es vielleicht nicht, oder nicht in so vollendeter Form, zu uns geschafft. :thx: Splitter (darf man hier ruhig auch mal sagen).



      Auch wenn dramaturgisch und in Sachen Charakterzeichnung noch deutlich Luft nach oben ist, so ist dieser erste Band von Das verlorene Paradies wirklich alles andere als ein Rohrkrepierer. Das Setting passt perfekt in mein Beuteschema, die Story ist cool, ein Stück weit geheimnisvoll und lässt noch genügend Fragen für die Folgebände offen. Vor allem der Cliffhanger am Ende macht Lust auf Mehr. Getragen wird das Gesamtwerk allerdings eindeutig vom Herausragenden Artwork, welches auf der einen Seite zwar typisch Franko-Belgisch daherkommt, aber durchaus auch Spuren einer Art von Amerikanisierung aufweist, und das meine ich im positiven Sinne. Die großen Panels, deren frei und abwechslungsreich gestaltete Anordnung, die gewählten Perspektiven, dynamischen Fights und sogar vereinzelte Splash-Pages erinnern etwas an den 90er-Style von Serien wie Spawn. Ein ganz leichter Mangaeinschlag ist so manches Mal bei der Darstellung von Gesichtern mit ihren großen, ausdrucksstarken Augen und den dazugehörigen Frisuren auszumachen. Ein künstlerischer Rundumschlag sozusagen, der uns hier von Alberto Varanda geboten wird und den Augen ständig schmeichelt. Der stiehlt Ange hier schon ein wenig die Show.

      Apropos Ange, dazu noch kurz zwei Worte. Das sind eigentlich zwei Künstler, nämlich Anne Guéro und ihr Mann Gérard, die sich als Team den tollen Namen Ange gegeben haben, vielen sind die Beiden vermutlich von der Legende der Drachenritter bekannt. Ich finde es ja schon immer ziemlich nervig, dass die Franzosen oft meinen sich nur einen einzelnen Namen geben zu müssen, wenn sie als Künstler unterwegs sind, aber dieser Blödsinn hier setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Sei es drum, Andere stört das vermutlich kaum und den grandiosen Bildern schadet es in keiner Weise. Ich hatte jedenfalls viel Freude an dem Band und vor allem natürlich am Artwork, das ist schon echtes Eye-Candy. Bin gespannt, wo uns die Geschichte noch hinführt.

      Meine Wertung: 7/10

      Habt Ihr die Reihe damals gelesen und eine Meinung dazu? Und wir findet Ihr diese gewollt ikonischen Einzelnamen bei französischen Künstlern? (Matz, Ange, Pitof, Greg, Hermann etc…)

      VG, God_W.